Joh 5,39-47 (und Predigten über Joh 5,1-14; 5,1-18 und Joh 5,39-47)

Vorbemerkung :

Der Predigttext enthält nur einen kleinen Ausschnitt. Joh 5,1-47 gehört zusammen, aber man kann sich auch auf Joh 5,1-16 beschränken, wenn man das ganze Evangelium im Blick behält.

Für weitere Orientierung habe ich Kommentare in diesen Text eingefügt.

Die Wundergeschichte auf Probleme unserer Zeit beziehen!

Johannes hat für sein Evangelium eine Sammlung von Wundern1 benutzt, die er von anderen Christen erhalten hat. In dieser Sammlung hat aber Joh 5,1ff wahrscheinlich nicht gestanden , sondern ist wahrscheinlich vom Evangelisten später zwischen Joh 4 und Joh 6 eingefügt worden.

In anschließenden Reden Jesu hat Johannes dann diese Wunder auf Probleme seiner Zeit (um 90 n. Chr.) bezogen.

Das stellt dem Prediger/in dieselbe Aufgabe wie damals Johannes: die Wundergeschichte auf Probleme unserer Zeit zu beziehen.

Weltweite Verkündigung

Die vorjohanneische Wundergeschichte wird von Johannes durch seinen Einleitungsvers 5,1  in seine Arbeit am Evangelium an genau dieser Stelle eingefügt .2

Das ist ein überlegter Schritt. Joh kommt es nämlich darauf an, das Wirken Jesu vor einem möglichst großen Zuhörerkreis darzustellen. Das „Fest der Juden“ in „Jerusalem“ ist mit Menschenmassen verbunden. Auch Johannes möchte, dass die Verkündigung Jesu weltweit weitergeht.

Passafest als Jesusfest

Das Fest soll für die Zuhörer und Leser des Johannes zu einem Jesus-Fest werden, wie alle anderen Feste im Johev, weil es nicht mehr wie früher gefeiert werden kann. Das war notwendig geworden nach dem Jahre 70 n. Chr. mit der katastrophalen Niederlage der Juden durch die Römer. Die jüdischen Feste im Jerusalemer Tempel mussten nach der Zerstörung grundsätzlich anders werden. Für die Christen um Johannes kam eine zweite grundsätzliche Änderung dazu:
Wie kann man Feste feiern, wenn man aus der Gemeinschaft, die vom Tempel herkam und sich jetzt um die Synagoge sammelte, ausgestoßen war?

Das Passafest neu: Mit Heilung verbunden

Joh bietet eine neue Lösung an: An einem ehemaligen jüdischen Festtag wird eine Jesusgeschichte erzählt und ausgedeutet. Es geht am neuen Jesus-Festtag um die Heilung eines Menschen. Die Intention des Evangelisten ist erst einmal, dass „Fest“ mit „Heilung“ verbunden wird und nicht mit dem üblichen Festgeschehen.

Heilung als programmatisches Geschehen für alle Welt

Heilung am Fest in der Weltstadt Jerusalem – das bedeutet für Joh: programmatisches Geschehen für die ganze Welt und für alle Zeit! (Vgl. 4,42: Wir selber haben gehört und gesehen, dass dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist.)

Frage an den Menschen überhaupt: willst du geheilt werden?

Nach der Schilderung der Schwere der Krankheit kommt die wichtigste Frage: Willst du geheilt werden? Auch diese Frage ist Frage an einen bestimmten Einzelnen zu bestimmter Zeit, an bestimmtem Ort, aber es ist die Frage an den Menschen überhaupt in allen Situationen, an allen Orten und zu allen Zeiten, wenn Jesus einem Menschen begegnet. Es geht um Wollen oder Nicht-Wollen. Was will ich selber eigentlich? Will ich Heilung? Will ich mich auf diesen Weg begeben?

Jesaja 6: Berufung des Gesandten Gottes zum Heilen

Die Frage „willst du geheilt werden“ muss nach neuer exegetischer Erkenntnis  in einem neuen Zusammenhang gesehen werden:
Die Gemeinde des Johannes hat in der großen Begegnungsgeschichte mit Jesaja, dem Propheten, in Jes 6 die Berufung nicht des Jesaja zum Propheten gesehen, sondern die Berufung Jesu zum Gesandten Gottes unter den Menschen.3
Damit Gott nicht Menschen verblenden und verstocken muss, wie er es gegenüber manchen getan hat, sendet er Jesus, der heilen soll (Jes 6,8-10). Die ganze Welt (Joh 3,16) soll die Liebe Gottes, die in Jesus heilen will, erfahren.

Die Frage: „Willst du geheilt werden?“ wird also zur Frage nach dem kranken Gottesverhältnis des Menschen überhaupt.

Es geht um Heilung des kranken Gottesverhältnisses.

Heiler oder Gesetzesbrecher?

Die Antwort des Kranken mit dem Hinweis auf die praktisch unmögliche Heilung verliert ihre Gültigkeit: Er hat einen Menschen – jeder hat nun einen Menschen, den Menschen überhaupt (Joh 19,5). Jesus hat den Willen zum Heilen, den aber andere unter Hinweis auf das Gebot des Sabbats hindern wollen: Sie kennzeichnen Jesus als Gesetzesbrecher, der andere zum Gesetzesbruch (nimm dein Bett und geh!) auffordert.

Heilung und Kreuzigung hängen zusammen.

Johannes sieht aber gerade in der Hingabe Jesu am Kreuz, z.B. Joh 3,14, die Möglichkeit des Heils und der Heilung für alle, die glauben, dass Gott Jesus gesandt hat – und zwar zur Heilung ihres kranken Gottesverhältnisses gesandt.

Von der neuen Autorität her reden

Der Geheilte redet dann als von anderen Angegriffener von der Grundlage einer neuen Autorität her: Der mich geheilt hat, hat mir gesagt.. . Es ist die neue Autorität aller, die sich Jesus anschließen. Es ist eine provozierende Autorität, die überkommene religiöse Zeremonie hinterfragt. Es ist unsere neue Autorität, die sich gegen etwas stellt, was die Heilung des Gottesverhältnisses, die Heilung des zwischenmenschlichen Verhältnisses und damit die Heilung des Menschen verhindert. Im Tempel (5,14) bestärkt Jesus diese neue Autorität, die zur Zeit des Joh mit dem Synagogenausschluss der Christen so stark hinterfragt worden ist: Die Verfolgung Jesu (5,15) ist ja mit dem Synagogenausschluss zur Verfolgung der Gemeinde geworden. Diese soll – auch nach dem Willen des Johannes – nicht in altes religiöses Verhalten zurückfallen, damit ihr nichts „Schlimmeres“ widerfährt (vgl. Jes 6,8-10).

Verstockung als Menschheitsproblem

Verstockung – sonst für Juden „reserviert“ - wird zur Problematik des Menschen überhaupt, wo doch Heilung gewollt ist!

Ein Geheilter hat neue Autorität. Er darf sie nicht wieder aufgeben. Heilung ist Gottes Ziel für alle – nicht „Verstockung“.

 Anm. 1: Zur Semeiaquelle bzw. zum Wunderevangelium s. G. Reim, JOCHANAN S.207 (näheres auf der Website mit Inhaltsverzeichnis des Buches und mit einem Angebot)

 Anm. 2: „Da war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.“   Zur Komposition der Wunderquelle und des Johev s. JOCHANAN S.233

 Anm. 3: s. meinen Aufsatz in ZNW 1 2001 „Wie der Evangelist Johannes gemäß Joh 12,37ff Jesaja 6 gelesen hat“. Der Aufsatz ist auf der Website wiedergegeben.
http://www.evangelium-johannes.de/je7/de/node/56

Joh 5,39-47

Verfolgung und Tötung – Gefahr für Jesus und für die Gemeinde

Wer über Joh 5 predigt, begibt sich auf gefährliches Terrain. In diesem Kapitel (5,16-18) tauchen zum ersten Mal im Johannesevangelium Menschen auf, die Jesus verfolgen und töten wollen. Die Gefahr beim Predigen besteht darin, dass man scheinbar legitim über die bösen Juden predigen könnte, weil sie Jesus töten wollen, obwohl er einen langjährig Kranken geheilt hat. Man könnte über die gesetzestreuen und sturen Juden predigen, die lieber einen Menschen krank auf seinem Lager gesehen haben als ihn am heiligen Sabbat eine Liege tragen zu sehen und damit das Gebot, am Sabbat nichts zu tragen, zu übertreten.

Wie man nicht predigen darf:

Man könnte, ausgehend von Joh 5, über die Juden predigen, die zwar dem Täufer huldigten, aber es nur taten, um Hochstimmung zu genießen und sich gleichzeitig seine Botschaft vom Leib zu halten.

Man könnte über die Juden von 5,36ff predigen, die nie auf Gottes Stimme gehört haben, die Bibel falsch ausgelegt haben und bei allem hauptsächlich um ihre eigene Ehre besorgt waren und nicht um die Ehre Gottes.

Man könnte so scheinbar legitim predigen, weil sich die Anklagen wirklich an Juden gewendet haben, allerdings:

  • an eine bestimmte Gruppe, die
  • den Tod Jesu suchte und
  • später sicher auch den Tod von Nachfolgern Jesu suchte (Joh 16,2).

Der Anspruch Jesu auf alle Menschen und in jeder Zeit

Aber wir würden auf diese Weise falsch predigen. Wir würden im ersten Jahrhundert fest stecken bleiben und den Anspruch Jesu auf alle Menschen und auf uns auch verleugnen.

Worüber also predigen?

  • Die Menschen – wie den Kranken – in den Mittelpunkt rücken, die über viele Jahre ihres Lebens, vielleicht über alle Jahre am Rande stehen mit ihren Hoffnungen.
  • Sachzwänge benennen – (bei einigen Juden war es der Sabbat) – denen wir Vorrang einräumen und an deren scheinbarer Unveränderlichkeit man nicht rütteln darf.
  • Die Jesusfeindlichkeit und die Jesusfreundlichkeit von Christen ansprechen
  • Die Wohlfühlmentalität von Christen in Massen und Gruppen hinterfragen und nach dem eigentlichen Ziel von christlichen Gruppen und Massen suchen
  • Unsere Ehrsucht und unser in den Mittelpunkt-Streben konfrontieren mit dem Suchen nach der Ehre Gottes
  • Überlegen, was das Ziel eigenen Bibellesens und –forschens allein und in Gruppen ist. Fundamentalistische Auslegung und dogmatische Auslegung mit an Christus gebundener Auslegung konfrontieren.

Einen oder zwei dieser Schwerpunkte in der Predigt herausgreifen

Worüber also predigen? Den einen oder zwei dieser Schwerpunkte herausgreifen.

 

 

PREDIGT ÜBER JOH 5,1-14 am 16.10.1977 (Entführung von Hanns Martin Schleyer durch die RAF) in der Thomaskirche in Erlangen

Liebe Gemeinde,
während wir hier gefahrlos, wenn auch voller Zorn, hier in der Kirche sitzen, sind andere Menschen in höchster Lebensgefahr. Wieder andere sind erschöpft, weil sie Entscheidungen fällen müssen, die auf keinen Fall Lösungen mit sich bringen werden. Schließlich gibt es diejenigen, die den Imperialismus beseitigen wollen und sich am längeren Hebel wähnen.

Vor mir, der ich gegen Gewalt und Erpressung und Einschüchterung aufbegehre, aber auch immer daran mitschuldig bin, liegt das Evangelium von der Heilung eines 38 Jahre lang Kranken durch Jesus,

Zuerst dachte ich: In einer solchen Situation wie der heutigen ist es sicher angemessener, wenn ich über den von seinen Brüdern in die Zisterne geworfenen Joseph predige oder über den Hiob, den ein Unglück nach dem anderen trifft, aber dann fand ich die Geschichte dieses 38 Jahre lang Leidenden den Leiden unserer Zeit nahe genug. Ich habe von 1977 38 Jahre zurückgerechnet: 1939! - Krank bei Kriegsausbruch, während des Krieges, nach dem Krieg, dann auch in den guten Jahren bis hin zum heutigen Tage. Keine Gesundung in den verschiedensten Zeiten.

Mich erstaunt eines: Wie nach solch langer Zeit noch Hoffnung dasein kann?! Ich frage mich: Wovon nährt sich Hoffnung 38 Jahre lang? Sie kann doch nicht von der Luft gelebt haben! Waren es Menschen, die dem Kranken immer wieder Hoffnung vermittelt und sie aufrecht erhalten haben?

Der Kranke antwortet selber: Nein! Ich habe keinen Menschen. Vielleicht waren Heilmittel seine Hoffnung und schließlich diese Heilquelle, der Teich Bethesda, heute ausgegraben - eine damalige große Heilanlage.

Ich weiß keine Antwort auf das warum der Hoffnung dieses Kranken und staune nur, wie lange Hoffnung am Leben bleibt.

Was berechtigt uns in dieser politischen Lage heute zur Hoffnung für Deuschland nach den letzten 38 Jahren seit 1939? Es sind doch Lähmungserscheinungen da! Der Staat wird herumgestoßen. Verschworene Feinde sind da, denen für ihre Ideologie keine Anzahl von Menschenleben zu hoch zu sein scheint:"Wenn nicht alle Gefangenen frei gelassen werden und ihren Bestimmungsort erreichen und wenn das Geld nicht entsprechend der Anordnungen innerhalb der genannten Zeit übergeben ist, dann werden Herr Hanns Martin Schleyer und alle Passagiere und die Besatzung des Flugzeuges LH 737, Flug Nr. 181, sofort getötet."

Lähmungserscheinungen sind da: Überall gibt es Waffen. Ob es eine Maschinenpistole mit 90 Schuss ist, die gerade aus einem Polizeiauto gestohlen worden ist, ob es Mengen von Waffen sind, die in andere Länder geliefert werden. Ob es 15 Millionen Dollar sind, die von den Terroristen in Waffen umgesetzt werden: Waffen und Lähmung hängen zusammen. Lähmung wegen der Waffen. Was berechtigt da nach diesen 38 Jahren zur Hoffnung?

Jesus!
Jesus fragt den einen Menschen und mit ihm zugleich alle: "Willst Du gesund werden?"
Nach dieser Frage fühlt sich der Kranke mit seiner Krankheit und seiner Hoffnung ernst genommen. Er fängt an, zu reden. Er sagt auf die Frage, ob er gesund werden wolle, nicht einfach "ja", sondern erzählt seine Lebensgeschichte, eine Geschichte des Alleingelassen-Seins. Er erzählt seine Hoffnungslosigkeit, ist an manchen Stellen seiner Erzählung zornig, dann wieder apathisch, am Ende seiner Hoffnung angekommen - und dann doch redend zu Jesus und im Reden hoffend.

Welch eine Verhärtung, wenn nur noch Gewalt so eine Art Verbindung zwischen zwei Interessengruppen bildet, wenn Gespräch nicht mehr möglich ist, menschliche Regungen ausgeschaltet oder verdrängt werden und keine Frage mehr gewagt wird, die den einen zum Reden bringen könnte von seinen Schwierigkeiten und den anderen dazu, ihm entgegen zu gehen und aus der Verkrampfung zu verhelfen:
"Stehe auf! Nimm Dein Bett und gehe hin!

Ich sehe eine der Hauptaufgaben für uns und unsere Zeitgenossen darin, christliche Rede zu lernen, von Christus reden zu lernen. Es geht bei diesem Reden nicht um eine Technik der Gesprächsführung, die zu erlernen wäre. Es geht nicht um so eine Art "Trimm-Dich-Bewegung" zum Sprechenlernen für Ungewandte. Es geht auch nicht um das Erlernen einer frommen Sprache. Es geht um eine Sprache, die bei mir neu entsteht, dann neu entsteht, wenn ich auf Gott und den Menschen sehe.

Gott sagt mir: Ich will, dass er gesund werde!
Der Mitmensch sagt in seiner verschlüsselten Sprache und oft in der unmöglichsten Art und Weise: Ich will, dass ich gesund werde
Ich will reden lernen, heilen lernen.

Die alte Weise, mit Hilfe von Anklage und Gewalt miteinander zu reden, zeitigt keinerlei Erfolg. Dennoch sind wir im Augenblick in der Gefahr, Gewaltphantasien zu entwickeln und uns ihnen hinzugeben.
Der Jesus, der den Gelähmten geheilt hat, hat nicht die geringste Gewaltphantasie eines Bruders gegen einen Bruder gelten lassen:
Versöhne dich mit deinem Bruder! Verständige dich mit deinem Prozessgegner bald, solange du noch mit ihm unterwegs bist!

Ich glaube an die Wirkung dieses Verhaltens und möchte deswegen mit Ihnen nach einer neuen Sprache suchen, die alles Miteinander, was sich in Familie und Beruf und damit in Volk und Staat abspielt, bestimmt und so die Heilung vermittelt in unsere von Lähmung gezeichnete Zeit, Heilung, die von Jesus ihren Ausgang genommen hat.

Ich bin mir bewusst, dass dieses neue Reden von Christus her und auf den Menschen zu Zeit braucht zur Einübung. Ich weiss, dass es viele Fehlschläge geben wird. Ein betroffener Vater sagte einst zu Jesus: "Ich habe deine Jünger gebeten, dass sie den epileptischen Geist aus meinem Kind austrieben, und sie konnten es nicht."

Es wird viele Fehlschläge geben beim Versuchen einer neuen Sprache - wie den des Pfarrers, der um eine Kollekte zur Betreuung der Bader-Meinhof-Häftlinge gebeten hat, aber ich bin überzeugt, dass eine Gemeinschaft, die auf Christus hört und die neue Sprache versucht, sich gegenseitig aus der Liebe heraus korrigiert und dass sie si das 'Sündige hinfort nicht mehr' in ihrer Gemeinschaft ernst nimmt, nachdem sie von Christus geheilt worden ist.

Nach der Erfahrung der Ohnmacht der Mächtigen in diesen Tagen sehe ich in dem von Christus her hommenden neuen Reden die Macht der Ohnmächtigen, die nach der Verheissung Christi das Erdreich besitzen sollen, deren Sache als einzige zukunftsträchtig ist.

Der in diesem Jahr 1977 38 Jahre lang Kranke, hat Hoffnung. Sie ist von Christus her gedeckt und denen, die - von ihm geheilt - reden:
"Der Mensch ging hin und verkündete den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe."

Neben meiner Hoffnung steht die Sorge, dass in unserer Situation Hoffnung weggeworfen wird, dass Empfindlichkeit gegenüber Aggression immer größer wird - immer größer werdende Empfindlichkeit gegenüber Aggression wäre nur dann gut, wenn wir - empfindsamer geworden - immer zeitiger mit von Christus geprägter Rede reagieren würden und der andere keine 38 Jahre warten müsste.
Meine Sorge vor immer größerer Empfindlichkeit gegenüber Aggression besteht darin, dass wir uns immer zeitiger und schneller vom anderen abkapseln, verbarrikadieren, die Funktionsfähigkeit unserer Selbstschussanlagen überprüfen und aufhören, den anderen zu fragen wie Jesus: "Willst du gesund werden?"

Größer als diese Sorge ist jedoch meine Hoffnung:
In den letzten 32 der 38 Jahre wurden unter uns Gelähmte nicht mehr beseitigt, sondern viele aus unserer Gemeinschaft gehen auf Behinderte zu und helfen ihnen zu ihrer Gesundheit.
Mit dem heutigen Evangelium ermuntert uns Jesus, in dieser Richtung weiterzugehen - wie auch der heutige Tag ausgehen mag.
Amen

(Entführung 5.9.1977, Ermordung 18.10.1977.
13.10.1977 Entführung des Flugzeuges 'Landshut', Befreiung der Geiseln 18.10.1977) Predigt am 16.10.1977)

 

 

PREDIGT ÜBER JOH 5,39-47 1987 im Roncallistift und in  der Thomaskirche

Die Vertreibung und Ausrottung der Juden in Deutschland hat es mit sich gebracht, dass wir ganz schwer Zugang zum Evangelium für diesen Tag finden. Wenn in der Nürnberger Judengasse noch so viele Juden wie im Mittelalter leben würden, hätten wir längst beim Vorbeigehen in dieser Gegend verwundert das gesehen, was das Evangelium in Joh 5 anspricht: Wir hätten jüdische Männer gesehen, die ganz versunken ins Studium der Heiligen Schrift dasitzen, Stunden über Stunden, sehr intensiv. Oder wir hätten gesehen, wie jüdische Männer über die Bibel gebeugt erregt diskutieren, um die Wahrheit der Worte vor ihnen zu finden. Wenn sie nicht ausgerottet worden wären, hätten sie bei uns hier im Jahre 1987 genau das getan, was mit den Worten des 1. Psalms selig gepriesen wird: "Wohl dem, der Lust am Gesetz des Herrn hat - also an der Bibel - und sinnt über Gottes Gesetz Tag und Nacht nach."
Wir hätten dasselbe Bild gesehen, das sich den Menschen in Israel wohl schon vor 2500 Jahren darbot, dasselbe, das Jesus vor 2000 Jahren vor Augen hatte, dasselbe Bild, das von einem Rabbi wohl des vorigen Jahrhunderts berichtet wird: Dass er den ganzen Tag über der Bibel nachdachte und in der Nacht auf seinem Studierstuhl mit der Kerze in der Hand schlief, damit diese Kerze ihn beim Runterbrennen nicht zu lange schlafen lasse, sondern er in den Genuss der Seligpreisung käme: "Wohl dem, der Lust am Gesetz des Herrn hat und sinnt über Gottes Gesetz Tag und Nacht nach."

Wenn wir dieses Bild in unserem Alltag in der Judengasse Nürnbergs noch sehen könnten, würde uns verständlicher, was Jesus nach Joh 5 sagt: "Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin und sie ists, die von mir zeugt..." (Text bis V. 47 verlesen)

Wir haben verstanden, dass Jesus hier Mitjuden Fragen stellt, die tiefgehendsten Fragen, die man einem Menschen überhaupt stellen kann:
Bist du wirklich darauf aus, dass dein Leben lebendig wird? Worauf bist du aus?
Weil wir keine Juden mehr bei ihrem Schriftstudium beobachten können, ist es gut, wenn wir uns nach vergleichbaren Bildern umsehen, die es unter uns gibt. Wir machen uns auf die Suche nach Menschen, die etwas mit äußerster Intensität tun, aber am Lebendigen vorbei leben. Mehr noch: Wir machen uns auf die Suche nach Menschen, die mit all ihrem Streben sich selbst in den Mittelpunkt stellen und auf die die Frage Jesu passt:
"Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt? Aber die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht."
Wir machen uns auf die Suche nach Menschen, die nicht Gottes Liebe in sich haben, die auf die Worte Jesu nicht ihre Existenz aufbauen. Bei wem kommen wir an, wenn wir so suchen?
Auf unserer Suche nach passenden Bildern aus unserem Alltag können wir den verschiedensten Stationen begegnen:
Wir sehen Menschen, die mit 200 Stundenkilometern am Leben vorbeifahren, ja, so schnell wie möglich fahren, als läge das Leben vor ihnen.
Wir treffen auf Menschen, die mit unglaublicher Intensität wissenschaftlich arbeiten, forschen, entwickeln, mit Gleichgesinnten ihre Probleme diskutieren in einer Sprache, die niemand anderer mehr kennt.
Wir erleben Menschen, die kein einziges Stäubchen liegen sehen können und ständig an einer absolut perfekten Wohnung und Hygiene arbeiten.
Wir kennen Menschen, die sich in stundenlanger Hingabe und mit großem finanziellen Einsatz pflegen.
Wir denken an Menschen, die nicht mehr vom Computer loskommem und von selbstgestellten Problemen.
Andere stehen uns vor Augen, die ihr Leben um jeden Preis verlängern wollen - ohne zu einem Leben mit Jesus zu kommen, der lebendig macht.

Immer geht es um eine oft bewundernswerte Intensität in einem bestimmten, abgegrenzten Bereich, als ob es im ersten Psalm auch heißen würde: Wohl dem Menschen, der Tag und Nacht über Probleme der Technik nachdenkt, oder: Wohl dem, der ständig Kosmetika für sich anwendet.
Auf unserer Suche nach dem passenden Bild in unserem Alltag können wir wohl an verschiedenen Stationen verweilen und andere Menschen mit größter Intensität am Werke sehen, auf eigene Ehre bedacht oder auf Schönheit sondergleichen oder auf schneller sein als alle anderen, aber mancher unter uns wird sich selbst entdecken als einen, der auf einem bestimmten Gebiet ungeheure Energie einsetzt und dem Jesus dann sagt:
Du setzt auf dem und dem Gebiet deine ganze Energie ein, deinen ganzen Ehrgeiz, denn du meinst, darin bestünde das Leben - und dann übersiehst du, dass alles auf mich hinweist, die Quelle für lebendiges Leben. Aber du willst gar nicht zu mir kommen, damit du das Leben hättest.

Das sind harte Worte. Sie stellen nämlich die ganze bewundernswerte Intensität eines Menschen in den verschiedenen Bereichen total infrage. Das Bewundernswerte wird zum äußerst Fragwürdigen, zum Vergeblichen:
eine rasant sich entwickelnde Technik, die nicht zu Jesus kommen will als der Quelle sinnvollen Lebens, die nur Technik sein will um der Technik willen, wird von Jesus total infrage gestellt. Wenn Intensität und Einsatz nicht mit Leben verbunden ist, kann sie nur Sinnlosigkeit und Tod bringen.

Wir  erleben in diesem 5. Kapitel des Johannesevangeliums einen Jesus, der alles so befragt:
Ist das, was ihr hingegeben tut, Ausdruck von Liebe und Leben? Wenn das nicht der Fall ist, wird genau das, was ihr intensiv betreibt, euch einmal anklagen, die größten Schwierigkeiten bereiten. Jesu direkten Zuhörern wird gesagt: Ihr studiert die Bücher des Mose mit größter Intensität - ohne dadurch zu mir als Quelle des Lebens zu kommen - also wird euch Mose anklagen. An uns gerichtet: Ihr entwickelt Technik, ohne auf Liebe und Leben zu achten und wollt nicht zu mir kommen im Verfolgen eures Technik-Entwickelns - also: Dieselbe Technik wird euch anklagen. Oder: Euer ganzes Streben ist auf Kosmetik eures Körpers oder eures Egoismus gerichtet - also: Dieselbe egoistische Kosmetik wird euch verurteilen.

Oberflächliches Leben ohne Hingabe an Gottes Lebenswillen für alle heisst: Mit höchster Geschwindigkeit in die falsche Richtung fahren, ohne es zu merken - oder besser: ohne es merken zu wollen: "...aber doch wollt ihr nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet."

Vielleicht hat es mancher unter uns nötig, durch Jesus mit der Realität konfrontiert zu werden: Du gehst am Leben vorbei, wenn du so weitergehst.

Jesus schließt seine ganze Rede, von der wir nur einen kleinen Teil gehört haben, mit einer Frage: "Wenn ihr aber den Schriften des Mose nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?"
Auf uns angewendet, könnte die Frage vielleicht so lauten:
Wenn ihr den in der Technik eingeschlossenen Willen Gottes nicht achtet, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben. Gott hat allem, das ist, den Sinn 'Leben' unterlegt und ich verkündige euch dieses Leben.

Was können wir tun, wenn Jesus eine Rede an uns mit einer Frage schließt?
Wir können die Frage an uns zulassen, als berechtigt zulassen. Wir können unsere große Fähigkeit zur Intensität auf einem bestimmten Gebiet in den Dienst des Lebens stellen, in den Dienst Jesu.

(Nach Martin Buber (S. 272):
'Als einmal einer vor einem frommen Menschen einige Leute verklagte, dass sie ihre Nächte beim Kartenspiel zu Tagen machten, sagte jener: "Das ist gut. Wie alle Menschen, wollen auch sie Gott dienen und wissen nicht wie. Aber nun lernen sie sich wach halten und bei einem Werk ausharren. Wenn sie darin (nämlich beim nicht enden wollenden Kartenspielen) die Vollendung erlangen, brauchen sie nur noch umzukehren - und was für Gottesdiener werden sie dann geben!"
Hinter der Frage, die Jesus am Ende seiner Rede an die Schriftforscher stellt, die mit Bibelstudium die Nacht zum Tage machen, steht die Hoffnung: Wenn sie im Bibelstudium Vollendung erlangen, brauchen sie nur noch umzukehren - und was für Gottesdiener werden sie dann geben!
Nicht nur Paulus hat diese Umkehr vollzogen, sondern jeder von uns wird von Jesus dazu eingeladen.
Gott dienen heisst: Bei Jesus das Leben finden und sinnvoll intensiv leben können. Amen

PREDIGT über Joh 5,1-18
am 19. S. n. Trin. 2007 in Erlangen-Dechsendorf

Liebe Gemeinde,
im sächsischen Landtag gab es kürzlich heftige Proteste, als ein rechtsextremistischer Abgeordneter in einer Debatte über Volksverhetzung sagte:
"Die Pest des vorigen und dieses Jahrhunderts bleibt der Zionismus."
Die Pest - das sind also Juden, die nach dem Tempel in Jerusalem streben.
Pest - das ist etwas, was unbedingt beseitigt werden muss.

Das heutige Evangelium aus Johannes 5 spielt in diesem Jerusalem, spielt im Bereich dieses Zion. Wir hören von Jesus, der nach Jerusalem kommt. Er kommt zu einem Ort, dem 'Teich Bethesda', der von Archäologen vor ein paar Jahrzehnten ausgegraben worden ist. Unter den Schuttschichten des Krieges vom Jahre 70 fand man einen Pool mit 5 Säulenhallen. Dort gab es einst Hydrotherapie, Heilung im Wasser wie bei uns in Rodach, Staffelstein, Hersbruck, Bad Windsheim und jetzt kommt noch Fürth hinzu.

Wir hören im Evangelium vom Tempel auf dem Zion, hören von einer jüdischen Gruppe, die bereit war, zur Einhaltung des Sabbat alles zu tun.
Wir sind mit unserem Evangelium auf dem Zion des Jahres 30 und wir sind auf dem Zion des sächsischen Landtages des Jahres 2007.

Wir sind mit unserem Evangelium aus Joh 5 an einem Sabbat des Jahres 30 in Jerusalem. Es ist der Tag, an dem nach strenger jüdischer Auslegung 39 Hauptarbeiten im menschlichen Tagesablauf nicht getan werden dürfen. Da gibt es im Volk die freiwilligen 'Kümmerer', die einen Übertreter des Sabbat hart zur Rede stellen. Nicht die geringste Übertretung wird eingeräumt. z.B. darf nicht die geringste Last getragen werden. Das zeigt sogar noch eine kleine Anekdote aus dem Jerusalem unserer Zeit. Da bückt sich einer am Sabbat und hebt einen 10-Shekel-Schein von der Straße auf, den jemand verloren hat - eine äußerst winzige Summe. Ein anderer sieht das und rügt ihn: "Das ist nicht erlaubt, am Sabbat Geld aufzuheben und es zu tragen." Da sagt der erste fragend: Und das nennst du Geld?"
(beim unserem Gottesdienst in Dechsendorf lag am Anfang ein immitierter 20-Euro-Schein auf dem Boden - prompt bückte sich ein Gottesdienstbesucher danach!)

In unserem Evangelium wird es nicht um einen 10-Shekel-Schein gehen, sondern um eine Liege.Matte, die einer am Sabbat aufhebt und trägt - wohl nicht viel schwerer als eine Isomatte, die im Sommer am Sonntagabend am Dechsendorfer Weiher eingerollt und nach Hause getragen wird.
Nach dieser langen Einstimmung ist es an der Zeit, dass ich das Evangelium aus Joh 5 vorlese.
Evangeliums-Verlesung

Ich komme zum sächsischen Landtagsverordneten mit seiner Bezeichnung der Zionisten als 'Pest' zurück. Wenn er heute hier im Gottesdienst säße und das heutige Evangelium gehört hätte, würde er sich wahrscheinlich in seiner Haltung bestätigt fühlen, hätte er doch - wie wir auch - gehört:"Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er solches getan hatte am Sabbat." Und weil Jesus gesagt hatte: "Mein Vater wirkt bis auf diesen Tag - also auch bis auf diesen Sabbattag - und ich wirke auch, Darum trachteten ihm die Juden noch viel mehr nach, dass sie ihn töteten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte dadurch sich selbst Gott gleich."
Also: Ihn töten wollen! 'Pest'!

Nachdem im Johannesevangelium 'die Juden' immer wieder genannt werden, haben manche Leser und manche Ausleger des Johannesevangeliums den Eindruck gewonnen:
Dieses Evangelium ist 'antijüdisch' oder 'antijudaistisch'.

Nach meiner langjährigen Erforschung des Johannesevangeliums ist es mir sehr wichtig,dieser Meinung entschieden entgegenzutreten:
Wenn Johannes sagt 'die Juden', dann meint er eine Gruppierung, eine pressure group, eine Interessengemeinschaft von Menschen, die jüdischen Glauben - wie sie ihn verstehen - klinisch rein halten wollen - und wenn es sich nur um einen Shekel-Schein oder um die Matte eines ehemals Kranken handeln sollte. Sie meinen, - besonders zur Zeit des Evangelisten Johannes - sie könnten notfalls für diese klinische Reinheit ihres Glaubens andere aus der Synagogengemeinschaft ausschließen und töten. Selbst das wäre für sie noch 'Gottesdienst'!

Wir kennen solche fanatische Haltung von Extremgruppen in unserer Zeit sehr gut. Man findet sie in unterschiedlichsten Religionen, in rechte- und linksextremen Gruppen. Sie haben ihre Schwerpunkte in verschiedenen Ländern, haben ihre Netzwerke, ihre Sympathisanten, aber:
Man zählt sie nur nach Hunderten oder Tausenden. Auch die extremen Juden, von denen der Evangelist Johannes spricht, sind nicht das millionengroße jüdische Volk, sie sind nicht Hunderttausende, sondern Hunderte, vielleicht - über das ganze Land verstreut - Tausende. Ihnen gegenüber stehen die vielen Neutralen, stehen auch die vielen jüdischen Anhänger Jesu, Leute wie Petrus, Nathanael, Nikodemus, Maria Magdalena, Lazarus, Geheilte, von Jesu Botschaft eingenommene. Sie sind alle Juden mit dem Wunsch, dass die Botschaft Jesu das ganze Volk erreichen möge, alle Juden, alle Heiden, die Welt.
Warum sie das wollen?
Das erklärt z,B. unser Evangelium von der Heilung eines Kranken am Teiche Bethesda am Sabbat. Menschen haben durch Jesus einen heilsamen Sabbat kennen gelernt. Es ist ein anderer Sabbat als sonst. Ja, wenn Sabbat immer so heilsam sein könnte wie mit Jesus und wie für den 38 Jahre lang Kranken, dann lohnte es sich, sich für den Sabbat einzusetzen oder - damit wir auch von uns sprechen - dann lohnte es sich, sich für den Sonntag einzusetzen.

Ist bei unserem Sonntag noch soviel an heilender Kraft und an guten Worten übrig geblieben, dass wir uns intensiv für ihn einsetzen? "Ohne Sonntag gäbe es nur noch Werktage" - na und? Was wäre denn da alles anders, wenn es nur noch Werktage gäbe, nur noch verkaufsoffene ehemalige Sonntage?

Jesus mit seiner Botschaft kann jeden kommenden Tag des 38 Jahre lang Kranken zu einem neuen, guten Tag umprägen und jeden Sabbat zum Festtag der Befreiung und jeden Sonntag zum Freudentag über Auferstehung.

Jesus brauchte damals, als er den Kranken liegen sah und vernahm, dass er schon lange gelegen hatte, nur zwei Sätze, um zu heilen. Er spricht zu ihm:"Willst Du gesund werden?" Und: "Stehe auf, nimm Deine Matte und geh hin!"
Nach dem ersten Satz gab es noch einen Einwand:"Herr, ich habe keinen Menschen..." Nach dem zweiten Satz Jesu: "...Stehe auf, nimm Deine Matte und gehe hin!" hört ein Mensch das Unerhörte, steht ein Mensch gesund auf, nimmt seine Matte und geht hin - und das am heiligen Sabbat. Der Sabbat ist für ihn zum Festtag geworden, jeder Sabbat.

Die jüdischen Nachfolger Jesu wissen von der Möglichkeit der Verwandlung eines Sabbats in einen Festtag. Sie wissen von der Verwandlung der Werktage in Gottestage. Sie wissen, dass ein Mensch dann auf dem Weg zur Gesundung ist, wenn er einen anderen Menschen hat und nicht mehr sagen muss:"Herr, ich habe keinen Menschen." Ein Kranker kann mit Hilfe eines anderen Menschen sagen: "Ich will gesund werden." Er kann aufstehen oder - äusserlich noch krank - kann er doch Jesu Wort in seine Situation übernehmen. Jesus spricht doch:"Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben."
Aber ein Kranker muss einen Menschen haben und mit diesem Menschen kann er Gott haben. Von Gott sagt Jesus:"Mein Vater wirkt bis auf diesen Tag, und ich wirke auch."

Ein am Sabbat wirkender Gott ist total anders als ein Gott, der sich über einen am Sabbat aufgehobenen Shekel-Schein ärgert oder der sich über einen Menschen aufregt, der am Sabbat eine Matte zum Zeichen seiner Heilung trägt.

Ein Mensch, der am Sabbat fragt:"Willst Du gesund werden?" und der auffordert:"Stehe auf, nimm Deine Matte und gehe hin" ist ein total anderer als eine Gruppe von Verfolgern, die ihre Rede an einen 38 Jahre lang krank gewesenen anfängt mit den Worten:"Es ist nicht erlaubt am Sabbat."
Sabbat und Sonntag und die ganze Woche könnten auf ganz andere Weise geheiligt werden:

Es ist erlaubt, Gutes zu tun.

Eine Kleinigkeit noch zum Schluss - vielleicht auch keine Kleinigkeit: Im 5. Buch Mose (2,14) hören wir, dass bei der Flucht aus Ägypten am Ende von '38 Jahren' alle Krieger gestorben waren, die einst ausgezogen waren.
Ihr Verhalten gegenüber Gott hatte Gottes Zorn hervorgerufen. Der 95. Psalm spricht davon. In ihm steht dann der Satz, der jeden Menschen vor Gott betrifft und ihn zu einem neuen Verhalten aufruft - zum Hören auf Gott:
"Heute, so ihr seine Stimme hört, so verstockt euer Herz nicht."
Eine ganze kranke Welt wird so angesprochen: Heute, wenn Du doch Gottes Stimme hören würdest!"

Man darf also im Sächsischen Landtag - und nirgendwo sonst -
...von der Pest des Zionismus sprechen
...oder auch des terroristischen Islamismus
...oder der Pest des Rechtsextremismus
und damit meinen: Solche Leute müsste man verfolgen und notfalls töten.
Extremisten - falls jener Abgeordnete die gemeint haben sollte - sind wie 38 Jahre lang Kranke, aber wir haben sie nicht auszurotten wie die Pest.
Mit 38 Jahre lang Kranken geht Jesus anders um - wenn er auch selbst dabei umkommt.
Aber sein Vater wirkt ja bis jetzt.
Aufstehen! ist angesagt. Auferstehen ist und wird sein. Mit Jesus. Amen

GEBET

Lieber Vater unseres Herrn Jesus Christus

Wir danken dir, dass du deinen Sohn zu kranken Menschen gesandt hast
als Quelle der Gesundheit
mit der Kraft, zu heilen.
Sei mit allen Kranken, die keinen Menschen haben, der ihnen helfen kann,
dass sie Christus haben und ihre Gesundung beginnt.
(Wir singen: Herr, erbarme dich...)

Gib uns, die wir dir vertrauen, die Kraft und die Liebe,
mit denen zu sprechen, die nicht glauben,
sondern Gegner sind voller Hass
oder denen dein Wirken gleichgültig ist.
Lass sie ihre Lage erkennen,
ihre Leere, ihr vergebliches Mühen, ihre Vergänglichkeit
und zeige ihnen durch uns Hoffnung und Ziel und Sinn.
(Wir singen: Herr, erbarme dich...)

Wir bitten dich für alle, die für dich eintreten, weil sie dich kennen,
dass sie sich durch nichts hindern lassen.
Hilf deiner Kirche in Ländern der Verfolgung
und in den Ländern, in denen sie bevorzugt wird.
Gib uns gerechte Regierung
und bewahre uns vor Krieg.
Hilf allen, die in den Kriegen und Aufständen unserer Zeit Not leiden.
Lass uns unsere Verantwortung gegenüber den Hungernden nicht vergessen.
(Wir singen: Herr, erbarme dich...)

Segne uns und unsere Angehörigen,
diese Gemeinde,
alle, die in ihr krank und in Not sind.
Gib uns Freude, weil dein Reich kommt.
Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit
Durch Jesus Christus, unseren Herren. Amen