Das Evangelium der Bekenntnisse - von Joh 1,1 bis 21,25

In den ersten drei Evangelien gibt es das eine Hauptbekenntnis des Petrus zu Jesus als dem Messias. Bei Johannes finden sich eine Reihe von Bekenntnissen. Das beginnt schon damit, dass Jesus von Joh 1,1 an als LOGOS dargestellt wird: "Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit" - 1,14. Es fasziniert dann die Vielfalt der Bekenntnisse: Vom Lamm Gottes mit Weltbedeutung spricht der Täufer und von dem, der mit Heiligem Geist tauft. In 1,41 sagt ein Jünger zu seinem Bruder: "Wir haben den Messias gefunden." Philippus sagt: "Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josephs Sohn von Nazareth." Nathanael bekennt: "Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel." Eine Samaritanerin erkennt Jesus als den Propheten an und denkt wohl an die Verheißung von 5. Mose 18,15-18. Dann ergänzt sie und denkt, er könne der Christus sein. Und die herbeigerufenen Samaritaner bekennen gar Jesus als Heiland der Welt. Petrus nennt in 6,69 Jesus den "Heiligen Gottes". Das Volk in 7,31 fragt sich, ob der Messias, wenn er käme, mehr Zeichen als Jesus tun werde. Manche halten Jesus für den Propheten - 7,40 - andere für den Christus - 7,41 - oder sagen, dass nie ein Mensch so geredet hat wie dieser Mensch - welch ein Bekenntnis von Menschen, die Jesus eigentlich gefangen bringen sollten! In 9,37f glaubt ein geheilter Blindgeborener an Jesus als den Menschensohn, von dem Daniel im 7. Kapitel schreibt. 10,41 sagen Menschen, dass alles, was der Täufer über Jesus gesagt hat, wahr ist. Die Martha aus der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus sagt zu Jesus:
"Herr, ja, ich glaube, dass du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist." Das Volk huldigt Jesus in 12,13 als dem König von Israel. 17,8 spricht Jesus im Gebet vor dem Vater aus: "Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben’s angenommen und erkannt wahrhaftig, dass ich von dir ausgegangen bin, und glauben, dass du mich gesandt hast." Die Häscher bekennen durch ihr Zurückweichen vor dem, der sich ICH BIN nennt, seine Größe. Die klingt auch in den Worten des Pilatus an: "Sehet, welch ein Mensch!" Und dann Thomas mit seinem "Mein Herr und mein Gott!" und Maria Magdalena mit ihrem "Rabbuni!" oder der Jünger, den Jesus lieb hatte mit seinem "Es ist der KYRIOS - der Weltherr!" Und schließlich das Ende des Evangeliums, wenn es heißt: "Es sind auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn sie aber sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären."
Zu all diesen so verschiedenartigen Bekenntnissen von Freund und Feind, Klein und Groß, Frau und Mann treten die Bekenntnisse des Vaters über den Sohn, von dem Jesus in 5,31f sagt: "Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Ein anderer ist’s, der von mir zeugt; und ich weiß, dass sein Zeugnis wahr ist, das er von mir zeugt."
Alle diese Bekenntnisse sind Anrede und Anfrage an mich, wie ich von Jesus in meiner Zeit rede und handle.


Aus der Literatur

M. Buber: Zwei Glaubensweisen, Zürich 1950 S. 11
"Jesus habe ich von Jugend auf als meinen großen Bruder empfunden. Dass die Christenheit ihn als Gott und Erlöser angesehen hat und ansieht, ist mir immer als eine Tatsache von höchstem Ernst erschienen, die ich um seinet- und um meinetwillen zu begreifen suchen muss. Mein eigenes brüderlich aufgeschlossenes Verhältnis zu ihm ist immer stärker und reiner geworden, und ich sehe ihn heute mit stärkerem und reinerem Blick als je.