Hinweis auf Kommentare

A. Schlatter hat betont, dass man den Evangelisten Johannes als Palästinenser 1 seiner Sprache und seinen Anschauungen nach sehen müsse. R. Bultmann hat mit großartigem Gespür die johanneischen Reden herausgearbeitet, diese aber fälschlicherweise auf dem Hintergrund der Gnosis gesehen und nicht auf dem des Alten Testamentes. R. Schnackenburg hat in vier Bänden den ersten großen katholischen deutschen Kommentar nach der Öffnung 2 der röm. – kath. Kirche für kritische Exegese geschrieben, der ein sehr zuverlässiges Hilfsmittel ist, das AT einbezieht und mit wenigen Hypothesen 3 auskommt. (Rezension auf der homepage) J. Becker hat auf evangelischer Seite einen Kommentar verfasst, der zuverlässige Informationen bietet, aber zu viele Konstruktionen hinsichtlich der Redaktion 4 des Johannesevangeliums bietet und dadurch für den Laien und den theologischen Anfänger schlechter zu lesen ist. Der große englisch – sprachige Kommentar von R. E. Brown enthält zuverlässige Informationen und ist nicht mit vielen Hypothesen belastet. Ein ausgezeichnetes Meditationsbuch mit solidem exegetischen Wissen bietet J. Blank in der Reihe Geistliche Schriftlesung – „das evangelium nach johannes.“ Eine solide, kurze Kommentierung, die das AT intensiv mit einbezieht, findet sich bei U. Wilckens. 2001 hat K. Wengst seinen Kommentar zum Johannesevangelium vorgelegt. Um herauszuarbeiten, wie Juden von heute das Johannesevangelium hören müssen oder hören können, hat er besonders rabbinische  5 Quellen herangezogen und Einleitungsfragen 6 und Hypothesen vernachlässigt. (Rezension auf der homepage) Ebenfalls 2001 ist der gute Kommentar von C. Dietzfelbinger erschienen. (Rezension auf der homepage)
Zu den Zitaten 7 aus dem AT im Johannesevangelium haben E. D. Freed und M. J. J. Menken gearbeitet. Wichtige weitere Forscher/innen am Johannesevangelium, die ich sehr schätze, können hier nicht alle angeführt werden.


1Schlatter meint mit dieser Bezeichnung einen in Palästina lebenden Juden.

2 Kritische Erforschung der Bibel wurde Katholiken erst durch das Zweite Vatikanische Konzil erlaubt.

3 Das sind hinsichtlich des Johannesevangeliums z.B. Vermutungen, wie man Unklarheiten in der Textfolge von Joh 5-7 erklärt oder wie man sich die Komposition des Johannesevangeliums vorstellen könnte.

4 Manche Forscher rechnen mit einer umfassenden Überarbeitung des Johannesevangeliums durch einen Redaktor. Gegen diese Position gibt es viele und gewichtige Einwände. Ich rechne damit, dass Johannes eine Erstausgabe seines Evangeliums in veränderter Gemeindesituation selbst überarbeitet hat.

 5 Rabbis und ihre Schriftauslegungen vor, während und nach Jesus sind für das Verständnis des Neuen Testaments von großer Bedeutung.

6 Das sind Fragen z.B. über den Autor des Evangeliums, seine Zeit, seine Sprache, seine theologische Herkunft – Fragen, die in Kommentaren zum Evangelium meist am Anfang behandelt werden.

7 Zitate nennt man solche Aussagen im Johannesevangelium, die sich – oft wörtlich – im Alten Testament finden und besonders wichtig sind, weil sich mit ihnen der Evangelist in die Gemeinde des Alten Testamentes – auch kritisch – einordnet.