Johannes 21 - ein Anhang? Mit einem Nachtrag Januar 2014

(Ursprünglich in: Studies in NT Language and Text. Leiden 1976, jetzt in JOCHANAN 389-396)

Abstract

Ich bestreite in diesem Artikel vehement, dass Joh 21 ein „Anhang“ ist und zeige auf, dass die im Evangelium enthaltenen Unstimmigkeiten - auch die in Joh 21 - daher stammen, dass der Evangelist Johannes sein Evangelium in zwei verschiedenen Zeitabschnitten geschrieben hat. Nach Erhalt neuen Materials, des „4. Synoptikers“, wie ich ihn nenne, hat Johannes seine Erstausgabe selber überarbeitet, sodass das gesamte Johannesevangelium von ihm stammt.

Dass Joh 21 ein Anhang ist, der nicht vom Evangelisten stammt, wird kaum noch bezweifelt, wie ein Blick in die neuesten Einleitungen in das Neue Testament zeigt1. In den letzten fünfzehn Jahren sehe ich auch keine gewichtige Stimme, die sich für den Evangelisten als Verfasser von Joh 21 mit guten Argumenten eingesetzt hätte. Trotzdem scheint die Sache nicht ausdiskutiert zu sein, wie die intensiven Versuche der Lösung des Lieblingsjüngerproblems2 zeigen. Ohne  in  Einzelheiten gehen zu können, möchte ich die Hauptschwierigkeiten, die das Kap. 21 im Zusammenhang mit den Kapiteln 1-20 bietet, aufzeigen, ehe ich den Versuch einer neuen Lösung skizziere.

 

1. SCHWIERIGKEITEN

1,1 Sprache und Stil

Auch wenn man zu Ruckstuhls Versuch3, auf Grund sprachlicher und stilistischer Vergleiche die Einheit von Joh 1-21 aufzuweisen, als weithin nicht überzeugend sich skeptisch verhält, kommt man doch nicht umhin, eine gewisse Einheitlichkeit in Sprache und Stil zu sehen, wie es ja z.B. Bultmann getan hat4. Eigentlich müsste man aber sagen: Die Uneinheitlichkeit von Sprache und Stil, bedingt durch die Verwendung verschiedenartigen traditionellen Materials durch den Evangelisten, zeigt sich wie in Joh 1-20 auch in Joh 21: Da ist synoptikerähnliches Material in 21,1-145, das aber wie im übrigen Evangelium Zeichen vorjohanneischer Überarbeitung6 trägt. Dieses  Material  hat,  wie  in Kap. 1-20, eine starke Verwandtschaft mit der lukanischen Tradition7. Auch in 21,15ff findet sich synoptikerähnliches8, nichtjohanneisches Material mit lukanischer Parallele9, das überarbeitet (V.19a) und ergänzt (V.20ff) worden ist. Joh 21 enthält weiter einige Sätze johanneischen Charakters, die jedoch so rar sind, dass man sie kaum findet10 - eine seltsame Sache bei einem Kapitel, das man einer johanneischen Gemeinschaft zuschreiben möchte.

Der Sachverhalt - überarbeitetes traditionelles Material, mit einigen johanneischen Wendungen versehen - findet sich also in Joh 21 genauso wie in Joh 1-20.

 

1,2 Der Jünger, den Jesus lieb hatte

Von diesem Jünger ist im Johannesevangelium an folgenden Stellen die Rede: Joh 13,23-26; 19,26f; (19,35); 20,2-10; 21,7 und 21,20-24. Auffallend und von Bedeutung ist zu allererst, dass von diesem Jünger nicht in dem Material die Rede ist, das zur Wunderquelle gezählt wird, sondern nur in der Passions- und Auferstehungsgeschichte. Es fällt weiter auf, dass sich die Erwähnung des Lieblingsjüngers nie inmitten johanneischen Materials befindet, sondern inmitten synoptikerähnlichen Materials. Besonders interessant ist aber, dass sich in den Einschüben kaum johanneische Sprechweise findet. Das könnte zweierlei bedeuten: 1. dass alle diese Einschübe nicht vom Evangelisten stammen, sondern von einem nachjohanneischen Redaktor, der kaum johanneische Spracheigentümlichkeiten aufweist oder 2. - was ich für wahrscheinlich halte - dass dem Evangelisten schon in seinem synoptikerähnlichen Material die Einarbeitung der Gestalt des Lieblingsjüngers vorlag, ohne dass der Evangelist große Änderungen vorgenommen hätte11.

Sind in den Einschüben schon sprachlich keine Verbindungen zum Evangelisten vorhanden, so muss man dazu noch die sachliche Differenz erwähnen. Der Evangelist zeigt im ganzen Evangelium kein Interesse an der Mutter Jesu, wie es sich im Einschub 19,26f zeigt. Die Mutter Jesu spielt jedoch in der lukanischen Tradition eine große Rolle. Auch das Thema "sehen und glauben" (Joh 20,8) ist für den Evangelisten nicht von Wichtigkeit, wohl aber für die von ihm benutzte Tradition12.

Ich möchte deshalb die These aufstellen, dass der Evangelist Johannes in dem von ihm benutzten synoptikerähnlichen Material lukanischer Prägung schon die sich auf den Lieblingsjünger beziehenden Einschübe vorgefunden hat. Diese Einschübe zeigen das Interesse einer Gemeinschaft an der Autorität eines ihr bekannten Augenzeugen.

Würde Joh 21 einen Nachtrag darstellen, dann müsste einer johanneischen Gemeinde Material derselben Provenienz, wie es auch dem Evangelisten zugänglich war, zur Verfügung gestanden haben. Aber auch diese Annahme bereitet wegen Joh 21,24f Schwierigkeiten.

1,3 Joh 13,36-38a und Joh 21,18f

Vergleichen wir beide Texte.

Joh 13,36-38a:

Simon Petrus spricht zu Jesus: Herr, wohin gehst du? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht nachfolgen. Erst später wirst du nachfolgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, weshalb kann ich dir jetzt nicht nachfolgen? Ich will mein Leben für dich einsetzen. Jesus antwortet: Dein Leben willst du für mich einsetzen? Amen, amen...

Joh 21,18f:

Amen, amen, ich sage dir: Als du jung warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Aber wenn du alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich umgürten und wird dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott verherrlichen sollte. Nachdem er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Die beiden Texte sind klar aufeinander bezogen. Joh 13,36-38a weist auf Joh 21,18f hin.

Sollte der Evangelist sein Werk nur bis 20,30f haben führen können? Dann müssten seine Vertrauten das Evangelium mit seinem Material ergänzt haben, das schon vom Evangelisten selbst bearbeitet war13. Aber sollte der Evangelist in 20,30f einen Schluss gesetzt haben, wenn er eigentlich noch von ihm schon überarbeitetes Material vorliegen hatte, es eingeplant und mit 13,36-38a fast angekündigt hatte? Zeigt sich beim Evangelisten nicht eine Vorliebe für Verbindungen nach vorwärts und rückwärts im ganzen Evangelium14?

1,4 Joh 21,24f

In der 25. Auflage des Nestle beginnt mit V.24 ein neuer Abschnitt, der mit V.25 endet. Der neue Abschnitt ist insofern richtig, als V.24 eine Interpretation durch eine Gruppe ist, die den  in V.20-23 geschilderten Lieblingsjünger mit dem gleichsetzt, der "dieses geschrieben hat". In V.25 spricht jedoch nicht mehr eine Gruppe, sondern ein einzelner, der darauf hinweist, dass das, was er geschrieben hat, nur eine Auswahl aus einer großen Stofffülle darstellt. Auch V.25 sollte mit einem Absatz beginnen15. Dieser Vers, den der einzelne geschrieben hat, weist eine klare Verwandtschaft mit Joh 20,30f auf.

Wollte man über die Komposition von Joh 21 - einmal abgesehen von Joh 1-20 - urteilen, so könnte man sagen: Ein einzelner (V.25) hat zwei voneinander unabhängige Berichte (V.1-14 und 15-24), die beide Spuren einer vorhergehenden Überarbeitung (V.4b; V.7 teilweise16; V.20-24) hauptsächlich unter dem Thema 'Lieblingsjünger' zeigen, übernommen, mit wenigen Zusätzen (V.19a und in V.20 den Rückverweis auf 13,23) und einem Schluss (V.25) versehen. Dieser einzelne könnte der Evangelist sein, wenn er nicht schon einen Schluss in 20,30f geschrieben hätte.

Für den Evangelisten als den 'einzelnen' sprächen:

a) das verwendete Material synoptisch- lukanischer Prägung wie im übrigen Evangelium,

b) das Interesse am Lieblingsjünger schon im Material, das dem Verfasser von Joh 1-20 vorlag und sich auch in Joh 21 findet,

c) die johanneische Schlussformel in 21,2517.

Johannes 21 als einen Nachtrag anzusehen, würde bedeuten, dass nach der Fertigstellung von Joh 1-20 um die Jahre 85-90 eine Redaktion stattgefunden hätte, die den Evangelisten mit dem noch lebenden Lieblingsjünger identifiziert hätte und noch eine zweite Redaktion anzunehmen, die die Anschauung der ersten, dass der Lieblingsjünger nicht sterben werde, nach dessen tatsächlich erfolgten Tod modifiziert hätte. Noch schwieriger ist dann aber die Annahme, dass dieser Evangelist, dessen totale Abhängigkeit von Quellen wir kennen, Augenzeuge beim Sterben Jesu und darüber hinaus sein müsse.

 

 2. VERSUCH EINER NEUEN LÖSUNG

Der einzige gewichtige Einwand, der die Auffassung von Joh 21 als einem Nachtrag stützt, ist die Schlussformel in Joh 20,30f. Alle anderen Einwände - das Auftauchen neuer, sonst im Johannesevangelium nicht bekannter Wörter und Personen, die Lokalisierung von Erscheinungen des Auferstandenen in Galiläa ohne einen Bericht, dass die Jünger dahin gewandert seien, die vom übrigen Evangelium abweichende Eschatologie in 21,22 und was man sonst an Spannungen zwischen Joh 21 und dem übrigen Evangelium angeführt hat - alle anderen Einwände könnten zu Lasten des vom Evangelisten auch sonst verwendeten Materials aus der Tradition gehen. Dieses traditionelle Material hat ja auch an anderen Stellen im Evangelium gewisse Spannungen hervorgerufen. Der einzige gewichtige Einwand, der die Auffassung von Joh 21 als einem Nachtrag stützt und allen anderen Einwänden Leben eingehaucht hat, ist die Schlussformel in Joh 20,30f, die wir zu untersuchen haben, ob sie die ganze Last des Aufweises von Joh 21 als eines Nachtrages auf sich nehmen kann. Hier der Text: "Noch viele andere Wunder hat Jesus vor den Jüngern getan, die in diesem Buch nicht aufgezeichnet sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist und dass ihr glaubend in seinem Namen Leben habt". Die Formel beschränkt sich ausschließlich auf die Wundertätigkeit Jesu. Bultmann hat sie deshalb mit Recht im Anschluss an Faure als eine Formel erkannt, die ursprünglich einmal am Schluss einer Wunderquelle gestanden hat18. Diese Formel war dem Evangelisten so wichtig, dass er sie erhalten und durch die letzten neun Worte in Joh 20,31 ergänzt hat.

 

Nehmen wir einmal an, der Evangelist hätte auch Joh 21 geschrieben. Wäre Joh 20,30f auch als Abschlussformel hinter Joh 21,24 denkbar - angenommen wieder, Joh 21 stamme fast ausschließlich aus der Tradition? Bultmann hilft uns, diese Frage zu beantworten. Er schreibt19: "Zudem hat die Erzählung in Kap. 21 einen völlig anderen Charakter als die bisherige. Das Thema ist hier nicht die Existenz des Jüngers und der Gemeinde, nicht Offenbarung und Glaube; sondern hier kommen ganz spezielle Interessen an Personen und Beziehungen der Gemeindegeschichte zu Worte".

Ich stelle die These auf, dass genau dieser Tatbestand den Evangelisten bewogen hat, die ihm wichtige Formel aus der Tradition, in die er auch die Geschichte des Wunders der Auferstehung Jesu eingeschlossen wissen wollte, dort anzubringen, wo sie für ihn am sinnvollsten war: Im Anschluss an das Wort aus der Tradition, das die selig preist, die nicht sehen und doch glauben. Dieses Wort drückt ein kritisches Verhältnis zum Wunderglauben aus und hätte im Sinne des Evangelisten hinter jedem von ihm aus der Tradition übernommenen Wunder stehen können. Dieses kritische Wort bot sich dem Evangelisten als ideales kritisches Vorzeichen vor der Schlussaussage der Wunderquelle an, dass Wunder aufgeschrieben worden seien, damit die Leser glauben, Jesus sei der Christus, der Sohn Gottes.

Für den Evangelisten stellte also 20,30f nicht den Schluss eines Buches dar, sondern nur den aus der Tradition übernommenen Schluss hinter Wundergeschichten. Neben diesem Schluss hinter Wundergeschichten steht der Abschluss des gesamten Evangeliums in 21,25 - nun aber nicht mehr in der Sprache der Tradition, sondern des Evangelisten selbst.

 

FOLGERUNGEN

Wenn das gesamte Johannesevangelium auf der Komposition von Material verschiedener Herkunft - Wunderevangelium und viertes synoptisches Evangelium20 - durch einen Evangelisten beruht und schon im benutzten Material des vierten Synoptikers die Gestalt des Lieblingsjüngers durch eine interessierte Gruppe eingefügt worden ist, bekommt die Frage des 'Augenzeugen' (19,35) und 'Zeugen' (21,24) eine neue Richtung. Hatte S. Schulz noch zusammengefasst21: "Die Autorität des vierten Evangeliums beruht für uns heute jedenfalls nicht mehr auf dem apostolischen Zeugnis der angeblichen Verfasserschaft des Zebedaiden noch auf einem vermeintlich historisch zuverlässigen Beitrag zu einem Leben Jesu...", so wird man meines Erachtens vorsichtiger formulieren müssen:

Dem Evangelisten des vierten Evangeliums hat u.a. Material synoptischen Charakters vorgelegen, das von einer Gruppe im Hinblick auf den Lieblingsjünger redigiert und außerdem sicher auch mit anderem Material wesentlich erweitert worden war22, aber in seinem Grundbestand auf einen schriftlichen Bericht eines Augenzeugen zurückgeführt werden kann. An diesen Augenzeugen knüpfte sich ursprünglich die Hoffnung, dass er nicht sterbe, ehe sich die Parusie Jesu ereigne. Diese Hoffnung wurde auf ein Jesuswort zurückgeführt, das man aber nach dem Tode des Lieblingsjüngers anders interpretierte. Der Evangelist hat dann sein Evangelium (lange?) nach dem Tode dieses Lieblingsjüngers abgefasst. Er selbst erhebt keine Ansprüche auf Augenzeugenschaft, sondern weiß nur, dass das, was er in seinem Evangelium zusammengefasst hat, einen bescheidenen Ausschnitt aller Taten Jesu darstellt - einen Ausschnitt, den er allerdings intensiv theologisch durchdacht und in seinen Denkkategorien interpretiert hat.

NACHTRAG VOM JANUAR 2014

Aus dem Galaterbrief und der Apostelgeschichte wissen wir, wie Petrus zwischen einem Leben mit Judenchristen, die am Gesetz festhielten und einem Leben mit Heidenchristen geschwankt hat. Im Johannesevangelium wird der Weg des Petrus zu Heidenchristen in diesem letzten Kapitel 21 als von Jesus initiiert aufgezeichnet: Wenn Petrus aus der Liebe zu Jesus dessen Schafe weiden soll, dann sind es die in Joh 10 angesprochenen zwei Gruppen von Schafen und ihre notwendige Einheit unter dem einen Hirten (Hes 34 und 37). Die Gemeinde vor der Gemeinde des Verfassers des Johannesevangeliums, von der der Evangelist das von jener vorjohanneischen Gemeinde erweiterte vierte synoptische Evangelium hatte, hat wohl – ähnlich wie Paulus – mit dem in Galaterbrief und der Apostelgeschichte angesprochenen petrinischen Problem zu tun gehabt. Sie hatte im Lieblingsjünger ihre durch Jesus bestätigte Autorität und Stütze. Sie wusste und verkündigte wie Paulus, dass das jüdische Gesetz neu als Gesetz der Liebe durch Jesus definiert worden ist und dass Leben aus dem Glauben kommt und nicht durch die Erfüllung des durch Mose gegebenen Gesetzes. Wegen dieser Verkündigung, wie sie sich in vielfältiger Weise im Johannesevangelium findet, haben sich ehemalige Jünger Jesu zurückgewendet (Joh 6,66). Andere haben – sicher nun auch Heiden unter ihnen – gemeinsam gegessen, und zwar nicht nur normale Speise, sondern Leib und Blut Christi, des von Petrus bekannten ‚Heiligen Gottes’ und sind bei Jesus geblieben.

Das Petrusbild – manchmal eng verknüpft mit dem Bild des Lieblingsjüngers – beginnt mit der archaischen Bezeichnung des Simon als Fels/Kephas in Joh 1 und zielt auf die Vollendung als Jesus liebenden Hirten der beiden Herden (Joh 10), der nach dem Abschluss  dieser Aufgabe - durch Jesus geführt und begleitet - das Martyrium erleidet.

Das 21. Kapitel des Johannesevangeliums ist also keinesfalls ‚Anhang’ und ‚redaktionell’, sondern Zielpunkt jener Gemeinde, aus der der Vierte Evangelist sein Viertes synoptisches Evangelium hat.

 

 

1 W. Kümmel: Einleitung in das Neue Testament 16. Aufl. (Heidelberg: Quelle und Mayer, 1969) 141f"...dass Joh. 21 mit größter Wahrscheinlichkeit als eine Anfügung von fremder Hand angesehen werden muss" A. Wikenhauser, J. Schmid: Einleitung in das Neue Testament (Freiburg: Herder 1973) Joh. 21 sei das "Schlusskapitel..., das nach der herrschenden Anschauung der heutigen Forschung nicht mehr vom Verfasser des Werkes stammt, sondern von Leuten geschaffen wurde, die dem Verfasser nahe standen, also etwa seine Schule bildeten und die nun über ihn einige wichtige Aussagen machen". (312)

2 s. zuletzt R. Schnackenburg: Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament (Zürich: Benziger Verlag. Vorarbeiten Heft 2, 1970): "Er selbst (sc. der Evangelist Johannes) wird sich nicht so (sc. als Lieblingsjünger) bezeichnet haben; diese Charakterisierung geht vielmehr  auf  seine Schüler,   bzw.   die  Redaktion  zurück. 

Da sich die Stellen aber nicht, wenigstens nicht sämtlich, als redaktionelle Einschübe erkennen lassen, wird man ihren Grundbestand schon dem Evangelisten, also jenem Jünger selbst, zuschreiben müssen. Man muss zugeben, dass hier noch Fragen offen bleiben" (114f). Die dargelegte Hypothese...bedarf...kritischer Nachprüfung" (117); - wohl auch deswegen, weil Schnackenburg in seinem Kommentar Bd.1,88 ursprünglich mit guten Gründen von jenem "das Material des Apostels bearbeitend(n) hellenistische(n) Christen" als dem Lieblingsjünger gesprochen hatte, nun aber daran zweifelt:

"Die Annahme, dass der Apostel Johannes wenigstens als Tradent und letzte Autorität hinter dem vierten Ev stehen könnte (so R.E. Brown und ich unabhängig voneinander) ist mir durch die hier vorgelegten Untersuchungen zweifelhaft geworden". (EKK 2, 97 Anm.2)

3 E. Ruckstuhl: Die literarische Einheit des Johannesevangeliums (Freiburg: Paulusverlag 1951).

4R. Bultmann: Das Evangelium des Johannes (= Komm) (Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1957) 542.

5 Bultmann: Komm. 546: im Kern eine "alte...Ostergeschichte"

6 Die Einarbeitung eines Berichtes von einem Mahl in die Geschichte vom wunderbaren Fischfang weist weder Verwandtschaft mit Sprache und Stil des Evangelisten noch einer johanneischen Gemeinde auf - es sei denn, diese Gemeinde bediente sich einer vollkommen anderen Sprache als der Evangelist. Eine vergleichbare Überarbeitung einer alten Geschichte in nichtjohanneischer Sprache sehe ich in Joh 20,2 ff vorliegen. Der Evangelist deutet zwar Geschichten, aber er erfindet keine - noch dazu in nichtjohanneischer Sprache, wie in 20,2-10.

7 Vgl. Lk 5,1-11. Dazu R. Pesch: Der reiche Fischfang Lk 5,1-11 / Joh 21,1-14. Wundergeschichte - Berufungserzählung – Erscheinungsbericht (Düsseldorf: Patmos Verlag 1969)

8 R. Bultmann: Komm. 552: V.15-17 "aus alter Tradition"

9 Vgl. Lk 22,31f

10 V.19a, der Rückverweis in V.20 auf 13,23 und V.25 dürften  johanneisch sein.

11 Johanneisch könnte in 13,23-26 sein: .... und in 21,20 der Rückverweis auf 13,23. R. Pesch (Der reiche Fischfang 132) vermutet, dass dem Redaktor von Joh 21 die Gestalt des Lieblingsjüngers schon in tradiertem Material vorgelegen hat: "Dem Redaktor von Jo 21 - und darauf kommt es uns hier allein an - lag der Erscheinungsbericht aber wohl bereits mit dem Lieblingsjünger vor. Dafür spricht wohl auch folgende Überlegung: Der Tradent, der den Lieblingsjünger einführte, wollte dessen 'Erkennen' Jesu wohl kaum mit einem Wunder motivieren; diese sekundäre Motivation kommt zustande, da der Redaktor die beiden Erzählungen verbindet, in deren einer der Lieblingsjünger bereits eingeführt ist".

12 Vgl. die Thomaserzählung aus der Tradition (Joh 20,24ff).

13 Vgl. Joh 12,33 mit dem offensichtlich johanneischen Einschub in 21,19a.

14 Vgl. 3,1f/7,50; 6,39/13,18 (17,12, 18,9); 11,49f/18,14; 15,19/17,14; 16,30/17,8 mit 21,20/13,23.

15So in: The Greek New Testament ed. by Aland, Black, Metzger, Wikgren (London: United Bible Societies, 1966).

16Dem Evangelisten ist der Kyrios-Titel für Jesus im Grunde genommen fremd. Er taucht nur in traditionellem Material auf.

17 Zum johanneischen Charakter der Schlussformel vgl.:
Estin de kai alla polla ha epoiäsen ho Jäsous mit Joh 20,30

evpoiäsen mit poioo 8,28,

hatina mit 8,25, 53; 14,13, 15,16;

ean grafätai mit ean gar mä apelthoo 16,7;

oud auvton oimai...chooräsai mit 12,18; 2,24;

chooräsai mit 2,6;   kosmon mit 8,12 u.a.; ta grafomena biblia mit charan...pepläroomenän  17,13.

18 Vgl. R. Bultmann: Komm. 78

19 Vgl. R. Bultmann: Komm. 543

20 s. G. Reim: Studien zum alttestamentlichen Hintergrund des Johannesevangeliums (Society for New Testament Studies, Monograph Series 22) (London: Cambridge University Press, 1974). 238-246. Die kurze Zusammenfassung meiner These zum Komposition lautet:

a) Johannes hat durch die eigene Ausgestaltung eines ihm in der Tradition vorgegebenen Wunderbüchleins, das eine uns bisher unbekannte Form eines Evangeliums darstellt und durch das Voranstellen eines z.T. vorgegebenen Prologs eine Erstform seines Evangeliums geschaffen. Dieses Evangelium sollte durch die kommentierten Wunder zum Glauben an Jesus führen, nachdem gezeigt worden war, wie die Jünger zu diesem Glauben gekommen sind.

b) Die Erstform des Evangeliums ist später, nachdem Johannes das 4. synoptische Evangelium erhalten hatte, mit Hilfe eines Teils dieses synoptischen Materials umgestaltet worden. Die Umgestaltung ist für eine gewisse Unordnung in der jetzigen Textanordnung des Evangeliums und für gewisse historische Ungenauigkeiten verantwortlich. Das benutzte 4. synoptische Evangelium scheint in seiner nicht überarbeiteten Form älter als die uns bisher bekannten Synoptiker zu sein.

21 S. Schulz: Das Evangelium nach Johannes NTD 4 (Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1972) S.2

22 z.B. dürften die Schwierigkeiten in der johanneischen Passionsgeschichte nicht nur auf den Evangelisten zurückzuführen sein, sondern werden zum Teil schon durch jene 'Gruppe', bzw. einen einzelnen in ihr verursacht worden sein.

 

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