6 Der Synagogenbann bei Justin und im Johannesevangelium

D 16,4 Den Gerechten habt ihr ja getötet und vor ihm seine Propheten. Und jetzt verstoßt ihr die, welche auf ihn und auf den allmächtigen Gott, den Weltschöpfer, der ihn gesandt hat, ihre Hoffnung setzen, und entehrt sie, soweit es bei euch möglich ist, indem ihr die Christusgläubigen in euren Synagogen verfluchet. Denn Hand an uns zu legen, dazu habt ihr nicht die Macht dank denen, welche jetzt regieren; getan aber habt ihr es, so oft ihr konntet. D 38,1 Trypho: Mein Herr, es wäre gut, wenn wir der Vorschrift der Lehrer, mit keinem von euch zu verkehren, gefolgt und uns auch mit dir jetzt nicht in dieses Gespräch eingelassen hätten. Denn viel Lasterhaftes sprichst du...

D 47,5 Auch von den Nachkommen Abrahams, welche nach dem Gesetze leben, und welche bis zu ihrem Tode nicht an unseren Christus glauben, bestreite ich, dass sie selig werden; vor allem bestreite ich es dann, wenn dieselben in ihren Synagogen die gläubigen Anhänger eben unseres Christus verfluchten oder verfluchen, um heil davon zu kommen und der Feuerstrafe zu entrinnen.

D 96,1f Das Wort des Gesetzes: >Verflucht jeder, der am Holze hängt<, stärkt unsere Hoffnung, welche sich an den gekreuzigten Christus klammert; denn Gott verflucht mit jenem Worte nicht unseren Gekreuzigten, sondern er sagte vorher, was ihr alle samt euren Gesinnungsgenossen deshalb tun wollt, weil ihr es nicht einsehet, dass Jesus vor aller Welt war, und dass er der ewige Priester Gottes und König und Christus ist. Mit eigenen Augen könnt ihr sehen, was da geschieht. Denn in euren Synagogen verflucht ihr alle, welche durch Jesus Christen geworden sind, während die Heiden euren Fluch wirksam machen und diejenigen hinrichten, welche nur sagen, sie seien Christen.

D 110,5 Wenn von der Bedrängten und Verstoßenen, das ist von der aus der Welt Verstoßenen, die Rede ist (Mi 4,6), so ist damit gesagt: jeder Christ ist, soweit es auf euch und all die anderen Menschen ankommt, nicht nur von seinem Eigentum, sondern auch aus aller Welt verstoßen. Jedem Christen macht ihr ja das Leben streitig.

D 133,6 Noch ist ja fürwahr eure Hand erhoben, um zu sündigen. Denn Christus habt ihr getötet und kennt trotzdem keine Reue. Aber auch uns, die wir durch Christus an Gott, den Vater des Weltalls, glauben, mordet ihr in eurem Hasse, so oft ihr die Macht dazu erhaltet. Immer und immer wieder verflucht ihr Christus selbst und seine Anhänger, obwohl wir alle für euch und die ganze Menschheit überhaupt beten gemäß der Lehre, welche uns unser Christus und Herr gegeben hat, der uns aufforderte, für die Feinde zu beten...

D 137,2 Stimmt also nicht ein in die Schmährede gegen den Sohn Gottes! Folget niemals den Pharisäern als Lehrern und verspottet niemals den König Israels! Denn hierin unterrichten euch eure Synagogenvorsteher nach dem Gebete. Ap I,31 Vielmehr halten sie (die Juden) uns für Gegner und Feinde und suchen uns, wenn sie können, gerade wie ihr zu töten und zu peinigen. Davon könnt ihr euch überzeugen; denn in dem unlängst geführten jüdischen Kriege hat Barchochebas, der Anführer des jüdischen Aufstandes, die Christen allein zu schrecklichen Martern hinschleppen lassen, wenn sie Jesus Christus nicht verleugneten und lästerten.

D 39,6 Zu bekennen, dass Jesus der Christus ist, wie es die Schrift, das Leben und die in Jesu Namen geschehenen Wunder zeigen, zögert ihr aber gewiss auch, um nicht von den Fürsten verfolgt zu werden, welche immer und immer wieder unter dem Einfluss des bösen und lügenhaften Geistes, der Schlange, die Bekenner des Namens Christi töten und verfolgen werden, bis Christus wiederkommt, alle vernichtet und jedem gibt, was er verdient.

Der Synagogenbann im Johannesevangelium

Joh 9,22 Solches sagten seine Eltern, denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon geeinigt: wenn jemand ihn als den Christus bekennte, der sollte in den Bann getan werden. 12,42 Doch auch der Obersten glaubten viele an ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, auf dass sie nicht in den Bann getan würden.

16,2f Sie werden euch in den Bann tun. Ja, es kommt die Stunde, dass wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst damit. Und solches werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich kennen.

Auswertung 22

Obwohl Johannes und Justin von derselben Sache sprechen, gibt es doch bedeutsame Unterschiede zwischen beiden: Nach Johannes werden die Christen aus den Synagogen ausgestoßen. Sie werden gehasst. Man tötet sie in der Meinung, Gott damit einen Dienst zu tun. Archonten, die an Jesus glauben, haben Angst, sich zu ihm zu bekennen und aus der Synagoge von Pharisäern ausgestoßen zu werden. In Justins Zeit scheint es keine gläubigen Archonten mehr zu geben, aber andere Juden, die aus Angst vor den Archonten sich nicht zu Christus bekennen wagen. die Zeit der Tötung von Christen durch Juden selbst ist vorbei, aber der Fluch der Juden gegen die Christen wird von der weltlichen Macht vollstreckt, wenn einer sich zu Christus bekennt. Die Meinung der Juden über die Verfluchung der Christen scheint jedoch nicht einhellig zu sein. Es gibt Juden, die nach dem Gesetz leben - aber die Christen wohl nicht verfluchen - und es gibt andere Juden, die nach dem Gesetz leben und die Anhänger des Christus in den Synagogen verfluchen, weil sie Angst vor der Feuerstrafe haben. Synagogenvorsteher unterrichten nach dem Gebete über die Verspottung des Königs Israels. Da Justin jedoch seine Zuhörer auffordert, niemals den König Israels zu verspotten, scheint das auch möglich zu sein. Vielleicht gab es Juden, die in das 18-Bitten-Gebet die Verfluchung der Nozrim nicht übernommen haben. Trypho selbst ist Zeuge dafür, dass die Vorschrift der Lehrer, mit Christen nicht zu verkehren, nicht immer beachtet wurde, ja, dass ein ständiger Dialog von ihm als ergiebig angesehen wird. Die Ausführungen bei Justin über den Synagogenbann sind eine vorzügliche Ergänzung dessen, was wir bei Johannes darüber finden, ohne dass sich bei Justin eine Kenntnis des Johannesevangeliums zeigt.