5 Texte zur Schriftauslegung

D 7,3 Jedoch auch wegen der Wundertaten, welche sie wirkten, waren sie (die Propheten) glaubwürdig, da sie (damit) Gott, den Weltschöpfer und Vater verherrlichten und seinen von ihm kommenden Sohn Christus verkündeten.

D 9,1 Du weisst nämlich nicht, was du sagst, sondern hörst auf die Lehrer, welche die Schrift nicht verstehen...

D 29,2 Mit dieser Darlegung glaube ich auch die Schwachbegabten zu überzeugen. Denn die Worte sind nicht von mir zurechtgelegt, noch gab menschliche Kunst ihnen Schönheit, sondern bald sind es Psalmenworte Davids, bald frohe Botschaften von Isaias, bald Predigtworte von Zacharias, bald Worte aus Moses' Schriften. Du erkennst sie an, Tryphon? In euren Schriften stehen sie, oder vielmehr nicht in den eurigen, sondern in den unsrigen; denn wir gehorchen ihnen, während ihr sie wohl leset, ihren Sinn aber nicht verstehet.

D 38,2 Ich weiss, dass, wie das Wort Gottes sagte, vor euch verborgen ist diese große Weisheit des Weltschöpfers und des allmächtigen Gottes. Daher habe ich Mitleid mit euch und gebe mir alle Mühe, dass ihr diese unsere >widersinnigen Lehren< versteht... Werdet vielmehr recht willige Hörer und haltet aus im Forschen!

D 79,1 Trypho: Gottes Worte sind heilig, eure Auslegungen aber sind gekünstelt... Vor allem aber sind sie blasphemisch...

D 127,4 Also weder Abraham, noch Isaak, noch Jakob, noch sonst jemand sah den Vater und unnennbaren Herrn aller überhaupt und auch Christi. Sie sahen vielmehr den, der durch den Willen des Vaters Gott war, seinen Sohn... Wenn wir nämlich die Schrift nicht so auffassen würden, dann würde der Vater und Herr aller nicht im Himmel gewesen sein zu jener Zeit, von der Mose berichtet hat: >Der Herr ließ über Sodom Feuer und Schwefel regnen vom Herrn aus dem Himmel...<.

Ap I,31 Ausserdem befinden sie (die prophetischen Bücher) sich allerorten bei allen Juden, die aber, wenn sie darin lesen, ihren Sinn nicht verstehen.

Texte zur Schriftauslegung im Johannesevangelium.

Joh 5,37ff Und der Vater, der mich gesandt hat, der hat von mir gezeugt. Ihr habt niemals weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnen; denn ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat. (Ihr) suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist es, die von mir zeugt; aber doch wollt ihr nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.

5,45-47 Ihr sollt nicht meinen, dass ich euch vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf welchen ihr hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

8,17 Auch steht in eurem Gesetz geschrieben... 10,34 Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz...? 15,25 Doch muss erfüllt werden der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben...

Auswertung 21

Nach Johannes und Justin gibt es im AT Weissagungen, die in Jesus erfüllt worden sind. Für manche bei Johannes benutzte Weissagungen gibt es Parallelen bei Justin, andere wieder sind Sondergut des Johannes oder des Justin. So fällt am meisten auf, dass bei Johannes jeder Bezug auf die Jungfrauengeburt fehlt, die für Justin besonders wichtig war. Justin meint wahrscheinlich Christen wie Johannes, für den Jesus von beiden Eltern abstammt, wenn er im Anschluss an die Bekräftigung der Geburt Jesu aus der Jungfrau in D 48,2 schreibt: Es gibt nämlich, meine Freunde, sagte ich, unter eurem Volke Leute, welche zwar zugeben, dass Jesus der Christus ist, aber behaupten, er sei ein Mensch von Menschen gewesen. Ihre Ansicht teile ich nicht. Auch dürften die wenigsten meiner Gesinnungsgenossen so behaupten... (D 48,4).

Es gibt also zur Zeit Justins Menschen, die er als Gesinnungsgenossen bezeichnet, die die Jungfrauengeburt nicht lehren, sondern die Abkunft des Menschen Jesus von Menschen. Hinter folgendem Einwand Tryphos stehen daher wahrscheinlich nicht nur jüdische Anschauungen, sondern auch Anschauungen mancher Christen: >Ich solltet euch schämen, so etwas zu erzählen wie die Griechen. Besser wäre es, ihr würdet von diesem Jesus behaupten, dass er als Mensch von Menschen geboren wurde, und würdet, wenn ihr den Schriftbeweis für seine Messianität gebet, erklären, er sei wegen seines gesetzmäßigen und vollkommenen Lebenswandels zum Christus berufen worden. Zu Wundergeschichten sollt ihr euch jedoch nicht versteigen, um nicht wie die Griechen der Torheit bezichtigt zu werden.<

Bei Justin fehlt überraschenderweise die Erwartung des Propheten wie Mose (Dtn 18), die für Johannes eine so große Rolle spielt.37 Es fehlt bei Justin auch die für Johannes und Paulus so wichtige Auslegung von Jes 28,16, die das Leben aus dem Glauben an den Eckstein Christus ableitet. Die Anschauungen Justins und Johannes', wie die Schrift zu verstehen sei, ergänzen sich. Wer richtig in der Schrift forscht, stösst auf Christus, der schon in alttestamentlicher Zeit gewirkt hat und Menschen begegnet ist.