4.12 Mal 3

D 8,4 Trypho: Vorausgesetzt, dass Christus irgendwo geboren ist und irgendwo lebt, so ist er doch so lange nicht erkennbar, erkennt auch sich selbst so lange nicht und hat so lange keine Macht, bis Elias erscheint, ihn salbt und aller Welt kundmacht. Ihr habt eine törichte Lehre angenommen, macht euch selbst einen Christus und geht darum jetzt in eurem Leichtsinn zugrunde.

D 49,1 Trypho: Wer behauptet, er sei Mensch geworden, dann, weil die Wahl auf ihn traf, gesalbt und so zu Christus geworden, dessen Rede überzeugt, wie mir scheint, mehr, als wenn ihr so redet, wie du es tust. Wir alle erwarten nämlich in Christus einen Menschen von Menschen, den nach seiner Ankunft Elias salbt. Wenn er aber auch als Christus erscheint, muss man ihn auf jeden Fall als einen Menschen von Menschen erklären. Da jedoch Elias nicht erschienen ist, erkläre ich, dass auch Christus nicht da ist.

D 49,2f Ich wiederum fragte ihn: Sagt denn nicht der Logos durch Zacharias, dass Elias kommen wird >vor diesem großen und furchtbaren Tage des Herrn<? Jener antwortete; >Ganz gewiss.< Wenn der Logos uns nun zwingt, zu bekennen, dass zwei Parusien Christi prophezeit wurden, und dass Christus bei der einen leidensfähig, ohne Ehre und Schönheit erscheinen, bei der anderen in Herrlichkeit und als Weltenrichter kommen wird, wie auch im vorhergehenden wiederholt dargetan ist, werden wir dann nicht annehmen, der Logos Gottes habe den Elias als Vorläufer des >furchtbaren und großen Tages< verkündet, der mit seiner zweiten Parusie anbricht? >Sicherlich!< antwortete er. Ich führte aus: Dass nun dem so sein wird, tat auch unser Herr in seinen Lehren und, indem er erklärte, auch Elias werde kommen.

Es wird, wie wir wissen, geschehen, wenn unser Herr Jesus Christus in Herrlichkeit von den Himmeln kommen wird. Seiner ersten Parusie ging als Herold Johannes vorher; denn in ihm offenbarte sich der Geist Gottes, der in Elias gewesen war. Es ist Johannes, der in eurem Volke ein Prophet war, der, nach dem kein anderer mehr bei euch als Prophet auftrat, und der am Jordan sich aufhielt und rief: >Ich taufe euch im Wasser zur Buße; es wird aber der kommen, der stärker ist als ich...< D 49,6 Tryphon wandte ein: Widersinnig scheint es mir auch zu sein, wenn du sagst, dass der prophetische Geist Gottes, der in Elias war, auch in Johannes lebte.

Mal 3 im Johannesevangelium

Joh 1,21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin's nicht.

1,25 Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist noch Elia noch der Prophet?

1,31 Und ich kannte ihn nicht; sondern auf dass er offenbar würde in Israel, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser.

3,28 Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe, ich sei nicht der Christus, sondern vor ihm her gesandt. 7,25-27 Da sprachen etliche aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie suchen zu töten? Und siehe, er redet frei, und sie sagen ihm nichts. Sollten unsre Obersten nun wahrhaftig erkannt haben, dass er der Christus sei? Doch wir wissen, woher dieser ist; wenn aber der Christus kommen wird, so wird niemand wissen, woher er ist.

Auswertung 17

Durch die Verwendung verschiedener Traditionen ist das Elia­-Bild des Johannesevangeliums uneinheitlich.: In Joh 1,31 erfüllt der Täufer die von Trypho genannte Aufgabe des Elia, den Messias offenbar zu machen. nach Joh 1,21 und 1,25 dagegen ist der Täufer nicht der Elia. Nach der Semeiaquelle scheint Jesus als Elia dargestellt worden zu sein. 34 Andererseits erscheint der Täufer in Joh 3,28 als der gemäß Mal 3,1 erwartete Vorläufer des Messias, also als Elia. Vom Evangelisten verwandtes synoptikerähnliches Material sieht also im Täufer den wiedergekommenen Elia, während die Semeiaquelle Elia in dem wundertuenden Jesus wiedererkennt. Der vierte Evangelist selber antwortet auf die an Trypho erinnernden Überlegungen des Volkes (7,27), die ihm sehr gelegen kommen, weil sie quer zur Davids- und Bethlehemsabkunft des Messias stehen, in Joh 7 so: Der Messias muss nicht offenbar gemacht werden, sondern er offenbart sich selbst (7,37f). Die Reaktion auf diese Offenbarung: >Es hat nie ein Mensch so geredet wie dieser Mensch< (7,46).

Justin bietet einen ausgezeichneten Kommentar zu dem, was in synoptiker-ähnlichem Material des Johannesevangeliums und in der Semeiaquelle an Elia-Erwartungen enthalten ist.

Von einer Benutzung des Johannesevangelium in diesem Bereich durch Justin zeigt sich keine Spur.