4.8 Jes 52,13-53,12

Ap I, 50 Dass er aber auch, für uns Mensch geworden, Schmerzen und Schande ertragen wollte und wieder in Herrlichkeit erscheinen wird, darüber hört folgende Weissagungen: (folgt Zitat von Jes 52,13-53,8). D 40,3 Der Befehl, jenes Lamm müsse vollständig gebraten werden, war ein Hinweis auf das Kreuzesleiden, dem sich Christus unterziehen wollte. Wenn nämlich das Lamm gebraten wird, erhält es die Form eines Kreuzes: einer von den Bratspießen durchbohrt dasselbe senkrecht von den Hinterbeinen bis zum Kopf, der andere dagegen, an dem die Vorderfüße des Lammes angehaftet sind, quer durch die Schultern. D 43,3 Da das Geschlecht dessen, der sterben wollte, auf dass wir Sünder durch seine Striemen geheilt werden, nicht aufgezählt werden kann, sprach der prophetische Geist diese Worte (sc Jes 53,8).

D 42,2 Im Namen der Apostel, die zu Christus sagten, man glaube nicht ihrer Predigt, sondern den Wundern dessen, der sie entsandt habe, erklärt daher Isaias so: >Herr, wer glaubte unserer Predigt?<

D 72,2f Von den Worten des Jeremias aber haben sie folgende Stelle ausgemerzt: >Ich bin wie ein unschuldiges Lamm, das geopfert werden soll. Gegen mich ersannen sie einen Plan und sprachen: Wohlan, lasst uns Holz tun in sein Brot und ihn aus dem Lande der Lebendigen vertilgen, seines Namens soll wahrlich nicht mehr gedacht werden!< Nun findet sich dieser Abschnitt aus Jeremias noch in manchen Exemplaren der jüdischen Synagogen; denn erst vor kurzem haben sie die erwähnten Worte ausgemerzt. Also wird noch einmal von Jesus das verkündet, was (bereits) durch Isaias prophezeit wurde; denn auch aus jenen Worten ergibt sich, dass die Juden über Christus Rat hielten, und dass sie beschlossen, ihn durch den Kreuzestod aus dem Leben zu räumen. Von dem, der (nach Isaias) als Lamm zur Schlachtbank geführt wird, wird hier geoffenbart, er sei ein unschuldiges Lamm. In ihrer Verlegenheit lassen eure Lehrer sich also zur Blasphemie verleiten.

D 89,2f Trypho: Das ist zwar klar, dass die Schrift einen leidenden Christus verkündet. Wissen möchten wir aber, ob du auch das beweisen kannst, dass Christus ein im Gesetz verfluchtes Martyrium erleidet.
Ich antwortete ihm: Wenn Christus nicht hätte leiden müssen, wenn die Propheten nicht vorhergesagt hätten, dass er dessen Geschlecht nach dem Propheten niemand zählen kann, von den Sünden des Volkes in den Tod geführt, beschimpft, gegeißelt, den Sündern zugezählt und wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt werden wird, dann könnte man sich mit Recht wundern. Wenn er aber in solcher Weise gekennzeichnet und aller Welt verkündet wird, warum hätten nicht auch wir uns mit festem Glauben an ihn hingeben sollen? Jeder, der die Worte der Propheten kennt, wird, sobald er hört, Jesus sei gekreuzigt worden, sagen, er ist Christus und kein anderer. (Ähnlich D 32,1f) D 111,3 Das Pascha war nämlich der später geopferte Christus, wie auch Isaias sagte: >Wie ein Lamm wurde er zur Schlachtbank geführt.< (vgl 40,1)

D 114,2 Wenn der Heilige Geist durch Isaias erklärt >Wie ein Schaf wurde er zur Schlachtbank geführt und wie ein Lamm vor dem Scherer<, dann spricht er, gerade als ob die Passion sich schon vollzogen hätte.

D 118,3 Mit gutem Grunde glauben wir an Jesus. Die uns diesen Glauben lehrten, haben uns nicht getäuscht. Ja, es war gerade der Wille der wunderbaren Vorsehung Gottes, dass wir dank der Berufung zum neuen und ewigen Bund, das ist durch Christus, an Weisheit und Gottesverehrung - wie sich zeigte - euch übertreffen, die ihr in der Einbildung, nicht jedoch in der Tat Gott liebet und weise seid. Unter Staunen verkündete Isaias: >Könige werden ihren Mund schließen; denn sehen werden die, denen nicht von ihm erzählt wurde, und staunen werden, die nicht gehört haben. Herr, wer glaubte unserer Predigt? Wem wurde der Arm des Herrn geoffenbaret?<

Jes 52,13-53,12 im Johannesevangelium

Joh 12,37f Und ob er wohl solche Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie doch nicht an ihn; auf dass erfüllt würde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte; >Herr, wer glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des Herrn offenbart?<

1,29 Des andern Tages sieht Johannes Jesus kommen und spricht:
Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. 19,33-36 ...Denn solches ist geschehen, dass die Schrift erfüllt würde: >Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.<

15,13f Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. (vgl 10,15)

13,31f Nun ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Ist Gott verherrlicht in ihm, so wird ihn Gott auch verherrlichen in sich... (vgl 17,1 8,54 14,13) 3,14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden. (vgl 8,28 12,32 12,34)

Auswertung 13

Für Johannes und Justin ist Jes 52,13-53,12 ein wesentliches Kapitel, das aber unterschiedlich von beiden behandelt wird, auch wenn eine Berührung der benutzten Traditionen unübersehbar ist. So wird Jes 53,1 bei Johannes auf Jesus bezogen, bei Justin auf die Apostel. Die Aussagen vom >Lamm< (Joh 1,29 19,33-36) hat Johannes der Tradition entnommen und sie weiterentwickelt in einer Weise, die wir bei Justin nicht finden: Das Lamm Gottes trägt die Sünde der Welt. Es lässt sein Leben für die Freunde, für die Schafe. Es stirbt an dem Tag, an dem die Passalämmer geschlachtet werden. Das Bild der in Kreuzform aufhängten Passalämmer, von dem der aus Samaria stammende Justin spricht,30 dürfte auch Johannes gekannt haben. Die das ganze Johannesevangelium durchziehenden Aussagen vom >Erhöhen< und >Verherrlichen< des Menschensohnes (Jes 52,13) mit denen Johannes auf den Vorwurf, dass jeder, der am Holze hängt, verflucht sei, antwortet, finden sich bei Justin überhaupt nicht, obwohl sie für ihn von größtem Wert gewesen sein müssten. Justin antwortet auf den jüdischen Vorwurf u.a., indem er Jes 53, in Auszügen anführt. Wie erfolgreich die Apologie des Gekreuzigten mit Hilfe von Jes 53 war, zeigt sich an der Ausmerzung von Jer 11,19 in zumindest einer jüdischen Handschrift, von der Justin berichtet. In der Auslegung von Jes 53 durch Justin zeigen sich weder Benutzung noch Kenntnis des Johannesevangeliums.