4.3 Jes 11,1-3

D 86,4 (Stab aus der Wurzel Jesse soll Christus sein. So hat es Jesaja verkündet.)

D 87,2 Trypho: Du sagst, er präexistiere als Gott und er sei nach dem Willen Gottes Fleisch geworden und durch die Jungfrau geboren worden. Erkläre mir nun, wie kann seine Präexistenz bewiesen werden, da er doch mit den Kräften des Heiligen Geistes, welche der Logos durch Isaias aufzählt, erfüllt wird, weil er derselben bedurfte!

D 87,3 Nicht deshalb sagt der Logos, die oben aufgezählten Kräfte des Geistes seien über Christus gekommen, weil dieser ihrer bedurfte, sondern weil sie auf diesem ruhen, das heisst, in ihm ihr Ziel finden sollten, so dass es nicht mehr wie früher Propheten in eurem Volke gebe. Dass dies geschehen ist, könnt ihr mit eigenen Augen sehen; denn nach Christus ist bei euch kein einziger Prophet mehr aufgetreten.

D 88,6f So musste auch zur Zeit des Johannes den Menschen ein Zeichen gegeben werden, an dem sie erkannten, wer der Christus ist. Als nämlich Johannes am Jordan war und die Taufe der Buße predigte...da meinte man, er sei Christus; doch er rief: >Nicht bin ich Christus, sondern die Stimme des Rufenden. Es wird nämlich der kommen, der stärker ist als ich, und dessen Schuhe zu tragen ich nicht würdig bin.< Da kam an den Jordan Jesus... Auf ihn nun flog - und zwar, wie gesagt, um der Menschen willen - der Heilige Geist in Gestalt einer Taube...

Jes 11,1-3 im Johannesevangelium

Joh 1,20 Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht der Christus.

1,23 Er sprach: >Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste; Richtet den Weg des Herrn!< wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

1,27 Der ist's, der nach mir kommen wird, des ich nicht wert bin, dass ich seine Schuhriemen auflöse.

1,31-34 Und ich kannte ihn nicht; sondern auf dass er offenbar würde in Israel, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm, und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Über welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich sah es und bezeugte, dass dieser ist der Auserwählte Gottes (vl Gottes Sohn).

Auswertung 9

Nach Justin und Johannes ruhen die >Kräfte des Geistes< bzw. >der Geist< auf Jesus. Aus der ausführlichen Darstellung Justins erfahren wir, welche Überlegungen hinter der kurzen Notiz in Joh 1,33 stehen. Für die Vermutung, dass der Täufer der Christus ist und für die Ablehnung dieser Vermutung durch den Täufer benutzen Johannes und Justin dieselbe Tradition, wobei der dem Evangelisten vorliegenden Tradition wohl schon die weitere Frage zugefügt worden war, ob der Täufer Elia sei. Ob in dieser vorjohanneischen Tradition auch schon die Frage: >Bist du der Prophet?< gestanden hat, ist fraglich. Diese Frage könnte auch vom Evangelisten stammen, der Jesus als den Propheten verstanden hat. Wenn Justin für D 88 das Johannesevangelium vorgelegen hätte, hätte er sich sicher nicht entgehen lassen, dass nach Johannes es Priester und Leviten waren, die an den Täufer offiziell die Christusfrage gestellt haben. Nach Justin haben >die Menschen< die Meinung gehabt, dass der Täufer der Christus sei.

Ich vermute, dass sich uns bei Justin eine Vorform der Täufererzählung erhalten hat, die auch die vorjohanneische Tradition kannte. Justin hat diese Vorform mit Hilfe des Matthäusevangeliums ausgestaltet. Die vorjohanneische Tradition hat diese Vorform jedoch aus Interesse an einer offiziellen Jerusalemer Delegation und aus dem Interesse, Johannes den Täufer nicht als Elia darzustellen, sondern Jesus, ausgestaltet.25