3.51 Die Apologie des Gekreuzigten

D 32,1 Trypho: Mein Herr, die erwähnten Schriften und ähnliche veranlassen uns, dass wir den, der als Menschensohn von dem Bejahrten die ewige Herrschaft erhält, in Herrlichkeit und Größe erwarten. Dieser euer sogenannter Christus aber ist ohne Ehre und Herrlichkeit gewesen, so dass er sogar dem schlimmsten Fluch verfiel, den das Gesetz Gottes verhängt: er ist nämlich gekreuzigt worden.

D 89,2 Trypho: Aber daran zweifeln wir, ob es notwendig war, dass Christus in so schmachvoller Weise am Kreuze starb; denn verflucht ist nach dem Gesetze, wer gekreuzigt wird. Dies ist also noch eine Lehre, von der ich mich momentan nicht überzeugen kann. Das ist zwar klar, dass die Schrift einen leidenden Christus verkündet. Wissen möchten wir aber, ob du auch das beweisen kannst, dass Christus ein im Gesetz verfluchtes Martyrium erleidet.

D 90,1 Trypho: Belehre uns nun aus der Schrift, damit auch wir dir folgen! Das wissen wir ja, dass er leidet und wie ein Lamm (zur Schlachtbank) geführt werden wird. Beweisen musst du uns jedoch, ob er gekreuzigt werden und eines so schmachvollen und ehrlosen, im Gesetze verfluchten Todes sterben musste; denn so etwas können wir uns nicht einmal denken.

D 91,4 Aber auch der Typus und das Zeichen, welches gegen die Schlangen errichtet worden war, unter deren Biss Israel zu leiden hatte, wurde sicherlich aufgestellt, da diejenigen das Heil finden sollen, welche glauben, dass der Schlange damals verkündet wurde, sie werde sterben durch den, der freiwillig in den Tod ging, dass dagegen diejenigen gerettet werden, welche vom Schlangenbisse verwundet zu dem fliehen, der in die Welt seinen Sohn schickte, der gekreuzigt wurde...

Ap I,60 ...da habe Mose auf Gottes Eingebung und Antrieb Erz genommen, daraus eine Art Kreuz gemacht, dieses auf dem heiligen Zelte aufgestellt und zum Volke gesprochen: >Wenn ihr dieses Bild anblickt und euer Vertrauen darauf setzt, werdet ihr Heilung finden.< (Beachte den Unterschied dieses Zitates zum Original des AT!)

D 94,1f Saget mir nämlich: Hatte nicht Gott durch Moses befohlen, man dürfe durchaus kein Bild und keine Darstellung von dem machen, was im Himmel oben ist oder auf der Erde? Hat er aber nicht trotzdem in der Wüste durch Moses die eherne Schlange errichten lassen und sie als Zeichen aufgestellt, als Erlösungszeichen für die, welche von den Schlangen gebissen worden waren? Und doch kann Gott nicht der Ungerechtigkeit beschuldigt werden. Er hat nämlich, wie ich oben gesagt habe, durch dieses Zeichen ein Geheimnis kundgetan, sofern er durch dasselbe verkündete, er vernichte die Kraft der Schlange, welche auch den Adam zur Sünde verleitet hatte, er erlöse dagegen von den Schlangenbissen, dass ist den sündhaften Handlungen, Götzendienst und anderem Unrecht, diejenigen, welche an Jesus glauben, der durch das erwähnte Zeichen, das Kreuz, sterben wollte...

D 96,1 Das Wort des Gesetzes; >Verflucht jeder, der am Holze hängt< stärkt unsere Hoffnung, welche sich an den gekreuzigten Christus klammert; denn Gott verflucht mit jenem Worte nicht unseren Gekreuzigten, sondern er sagte vorher, was ihr alle samt euren Gesinnungsgenossen deshalb tun wollt, weil ihr es nicht einsehet, dass Jesus vor aller Welt war, und dass er der ewige Priester Gottes und König und Christus ist.

D 112,2 Sollen wir nicht vielmehr das Kreuz (der ehernen Schlange) in Beziehung zu Jesus dem Gekreuzigten bringen, zumal da auch euer Volk seinen Sieg dem Umstande verdankte, dass Moses seine Hände ausstreckte...?

D 138,2f Christus, obwohl der Erstgeborene aller Schöpfung, ist doch auch der Anfang eines zweiten Geschlechtes geworden. Dieses nun hat er wiedergeboren durch Wasser, Glaube und Holz, das Geheimnis des Kreuzes..

Apologie des Gekreuzigten bei Johannes

Joh 3,14-18 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 18,32 ...auf dass erfüllt würde das Wort Jesu, das er sagte, um zu zeigen, welches Todes er sterben würde.

8,28 Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin...

12,31- Jetzt geht das Gericht üeber die Welt; nun wird der Fürst dieser 34 Welt ausgestoßen werden. Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Das sagte er aber, zu zeigen, welches Todes er sterben würde. Da antwortete ihm das Volk: Wir haben gehört im Gesetz, dass der Christus ewiglich bleibe; und wie sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? 17,1 Solches redete Jesus und hob seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da; verherrliche deinen Sohn, auf dass dich der Sohn verherrliche...

8,54 Wenn ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt...

Auswertung 5

Dtn 21,23 bildete für die Juden einen wesentlichen Hinderungsgrund, an Jesus, den Gekreuzigten, zu glauben. Sowohl Johannes als auch Justin beschäftigen sich intensiv mit dem auf die Schrift gegründeten jüdischen Einwand gegen den Gekreuzigten, indem sie sich beide auf Num 21,8 beziehen. Während Johannes eine geistlich sehr gewichtige Überwindung des jüdischen Einwandes bringt, indem er die Jesajastelle >Siehe, meinem Knecht wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein< mit Dtn 21,23 / Num 21,8 zusammensieht, findet sich davon nichts bei Justin, der von Trypho immer wieder angegriffen wird. Justin führt eine Reihe sehr unterschiedlicher Überlegungen zu Dtn 21,23 / Num 21,8 an. Wenn er das Johannesevangelium gekannt hätte, könnte ich mir nicht vorstellen, warum er die theologisch so bedeutenden Überlegungen des Johannes total ausser Betracht gelassen und sich mit Minderem begnügt hätte, nämlich mit einer Vielzahl von verhältnismäßig schwachen Argumenten.