3.31 Der messianisch verstandene Jakobspruch an Juda, Gen 49,8-12

D 11,4 Wenn nun Gott die Einrichtung eines Neuen Bundes angesagt hat, und zwar zur Erleuchtung der Heiden, wir aber es sehen und davon überzeugt sind, dass es Menschen gibt, welche gerade durch den Namen des gekreuzigten Jesus Christus sich von den Götzen und dem anderen Unrecht trennen, Gott zuwenden und bis zum Tode in Geduld ausharren, um Gott zu preisen und zu verehren, dann kann jedermann aus den Tatsachen und aus der sie begleitenden wunderbaren Macht erkennen, dass hier das neue Gesetz und der Neue Bund und die Erwartung (Gen 49,10) derer ist, welche unter allen Völkern das göttliche Heil erwarten.

D 52,1 Durch den Patriarchen Jakob wurde prophezeit, dass es zwei Parusien Christi gibt, dass Christus bei der ersten leidensfähig sein wird, dass - fügte ich bei - nach seiner Ankunft in eurem Volke kein Prophet und kein König mehr zu finden ist, und dass die Heiden, welche an den leidensfähigen Christus glauben, auf seine nochmalige Wiederkunft warten werden. Doch bemerkte ich - hatte der Heilige Geist mit Rücksicht auf diese letzte Prophezeiung in einem Bilde geheimnisvoll gesprochen... (es folgt Gen 49,8-12).

D 52,4 Wenn der Logos durch Jakob erklärte >und er wird sein die Erwartung der Heiden<, dann deutete er geheimnisvoll die beiden Parusien Christi an und gab zu erkennen, dass die Heiden an ihn glauben werden, was ihr mit Augen sehen könnt; denn wir, die wir aus allen Völkern durch den Glauben an Christus gottesfürchtig und gerecht geworden sind, warten auf seine Wiederkunft.

D 53 (Das Füllen ohne Sattel und ohne Joch - nach Gen 49 – das sind die Heiden, bis Christus kam. Die besattelte Eselin ist ein Symbol derer, die aus dem jüdischen Volke kamen.) D 54 (Hier wird der Vers aus Gen 49 erklärt >Im Wein wird er sein Gewand waschen und im Blute der Traube sein Kleid<. >Sein Gewand< - das sind die, die Nachlass der Sünden erhalten haben. >Blut der Traube< - das besagt, dass Christus zwar Blut habe, aber nicht durch Menschensamen, sondern durch Gottes Kraft (so auch D 63 und D 76).

D 68,9 Wenn wir ihnen die Schriftstellen nennen, welche ich euch oben zitiert habe, in welchen ich ausführlich die Leidensfähigkeit, Anbetungswürdigkeit (Gen 49,8) und Göttlichkeit Christi bewiesen habe, dann sehen sie sich zwar zu dem Geständnis veranlasst, dass dieselben auf Christus gesagt sind, erkühnen sich aber zu behaupten, Jesus sei nicht der Christus, trotzdem sie zugeben, dass Gott kommen werde, dass er leide und herrsche, und dass man ihn anbete (Gen 49,8).

D 120,2 Würdest du ferner den über Juda gesprochenen Segen erwägen, dann würdest du erkennen, was ich sage. Die Nachkommen Jakobs teilen sich nämlich und die Linie (Christi) führt (nur) über Juda (Gen 49,8)...

D 126,1 (Jesus wird von Moses als >Juda< bezeichnet.) Ap I,32 Moses, der erste der Propheten, sprach wörtlich also: >Nicht wird fehlen ein Herrscher aus Juda noch ein Führer aus seinen Lenden, bis der kommt, dem es vorbehalten ist. Dieser wird sein die Erwartung der Völker; er bindet an einen Weinstock sein Füllen und wäscht im Blute der Traube sein Gewand.< (Gen 49,10f) Es muss euch nun interessieren, genau zu erforschen und festzustellen, bis wann die Juden einen einheimischen Herrscher und König gehabt haben. Das war der Fall bis zur Erscheinung Christi, unseres Lehrers und des Auslegers der unverstandenen Prophezeiungen, wie es denn von dem göttlichen, heiligen, prophetischen Geiste durch Moses vorhergesagt wurde, ein Herrscher aus dem Judenvolk werde nicht fehlen, bis der komme, dem es vorbehalten sei, nämlich das Königtum. Denn Juda war der Ahnherr der Juden, von dem sie auch den Namen Juden erhalten haben. Nachdem Christus erschienen war, ging das Königtum der Juden und die Herrschaft über ihr ganzes Land auf euch über. Jenes aber: >Er wird die Erwartung der Völker sein< sollte andeuten, dass man unter allen Völkern seine Wiederkunft erwarten werde, was ihr mit Augen sehen und wovon ihr euch durch die Tat überzeugen könnt. Warten doch Leute aus allen Nationen auf den in Judäa Gekreuzigten, nach dessen Auftreten sofort das Land der Juden von euch erobert und unterjocht wurde. Jener Satz aber: >Er bindet an den Weinstock sein Füllen und wäscht sein Gewand im Blute der Traube< sollte sinnbildlich andeuten, was Christus erleben und was er vollbringen werde. Denn ein Eselsfüllen stand am Eingange eines Dorfes, an einen Weinstock angebunden, und das befahl er seinen Jüngern ihm vorzuführen, und als es ihm zugeführt war, bestieg er es, setzte sich darauf und zog in Jerusalem ein, wo das Hauptheiligtum der Juden war, das später von euch zerstört wurde. Und hernach wurde er gekreuzigt, damit auch der übrige Teil der Weissagung erfüllt werde. Denn das Wort: >Er wäscht sein Gewand im Blute der Traube< deutete im voraus das Leiden an, das er erdulden sollte, um durch sein Blut die zu reinigen, die an ihn glauben. Denn das Gewand, von dem der göttliche Geist durch den Propheten spricht, das sind die an ihn glaubenden Menschen, in denen der Same aus Gott, der Logos, wohnt. Der Ausdruck aber >Blut der Traube< deutet an, dass der künftig Erscheinende zwar Blut haben werde, aber nicht aus menschlichem Samen, sondern aus göttlicher Kraft. Es ist aber der Logos die erste Kraft nach Gott, dem Vater des All, und sein Sohn; auf welche Weise er Fleisch geworden und als Mensch geboren worden ist, werden wir im folgenden zeigen. Denn wie der Traube Blut nicht ein Mensch, sondern Gott geschaffen hat, ebenso sollte dieses sein Blut als nicht aus menschlichem Samen, sondern aus der Kraft Gottes hervorgehend angedeutet werden. (vgl. auch Ap I,54)

Gen 49,8-12 bei Johannes

Joh 4, 22-26 Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, dass die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will haben, die ihn also anbeten. Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbe kommen wird, wird er's uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.
Joh 9,7 Gehe hin zu dem Teich Siloah, das ist verdolmetscht >gesandt< und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.

Joh 9, 35-38 Es kam vor Jesus, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Und da er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Er antwortete und sprach: Herr, wer ist's? auf dass ich an ihn glaube. Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist's. Er aber sprach: Herr, ich glaube, und fiel vor ihm nieder.

Auswertung 3

Dem messianisch verstandenen Jakobspruch kommt bei Johannes und Justin wesentliche Bedeutung zu. Das gesamte Gespräch Jesu mit einer Samaritanerin (Joh 4) am Brunnen des Jakob muss auf dem Hintergrund der messianischen Verheißung durch Jakob gesehen werden.21 Der von der Tradition vorgegebene Stoff in Joh 9 ist durch den Evangelisten vollkommen von der Verheißung aus Gen 49,8ff her gestaltet worden.22
Auch der aus Samarien kommende Justin ist überaus stark von der messianischen Verheißung Gen 49,8ff geprägt. Über den Dialog verstreut, und sogar in Ap I, findet sich eine vollkommene Exegese des Jakobspruches für Juda. Auch für Justin führt das Heil über Juda (D 120 und 126 / Joh 4,22). Auch für Justin ist Jesus der >Schiloh<, dem die Königsherrschaft obliegt (Ap I,32 / Joh 9,7 und 18,37), der anbetungswürdig ist (D 68,9 / Joh 9,38). Trotz dieser Gemeinsamkeiten in der Sache überhaupt und in Einzelheiten gibt es bei Justin keinerlei Anzeichen, die auf eine Kenntnis und Benutzung der Kapitel vier und neun des Johannesevangeliums weisen. Die Behandlung derselben Thematik bei Johannes und Justin ist überaus verschieden: hier Verkündigung - dort: ins Einzelne gehende Exegese auch von Versen, die im Johannesevangelium nicht die geringste Rolle spielen. Zu dieser Exegese gehört die Ableitung der zweiten Parusie aus Gen 49, mit der Feststellung, dass es bis zum Auftreten Christi keine Zeit ohne Propheten und Fürsten gegeben habe, die Ausdeutung des Füllens ohne Sattel auf die Heiden, das Verständnis des Gewandes und die Auslegung des Traubenblutes.
Die Auslegungen von Johannes und Justin zeigen, wie darum gerungen worden ist, dass Gen 49,8ff in Jesus zur Erfüllung gekommen ist.