3.21 Abraham

Abraham in Justins Dialog

D 11,5 Das wahre, geistige Israel nämlich und die Nachkommen Judas, Jakobs, Isaaks und Abrahams, der trotz seiner Vorhaut, infolge seines Glaubens, von Gott sein Zeugnis erhielt, von ihm gesegnet und zum Vater vieler Völker ernannt wurde, das sind wir, die wir durch diesen gekreuzigten Christus zu Gott geführt wurden...
D 23,4 Auch Abraham wurde, als er noch unbeschnitten war, gerechtfertigt und gesegnet, und zwar wegen seines Glaubens an Gott, wie die Schrift dartut. Die Beschneidung aber erhielt er als Zeichen, nicht jedoch um gerechtfertigt zu werden.
D 25,1 Mit uns werden, wenn auch nur ein bescheidenes Plätzchen, auch diejenigen erben wollen, die sich selbst gerecht machen und sich Kinder Abrahams nennen.
D 44,1f Ihr täuscht euch, wenn ihr meint, dass ihr, weil ihr dem Fleische nach von Abraham abstammt, auf jeden Fall das Gute erben werdet, das Gott durch Christus zu geben versprochen hat. Niemand kann nämlich etwas davon irgendwo bekommen, ausgenommen diejenigen, welche in ihrer Gesinnung dem gläubigen Abraham ähnlich geworden sind und alle Geheimnisse erkannt haben, das heißt, welche erkannt haben, dass die einen Vorschriften erlassen worden waren, um zu Gottesfurcht und Frömmigkeit zu erziehen, dass andere Gebote und Übungen wiederum verordnet worden waren, um geheimnisvollerweise auf Christus hinzuweisen, oder weil sie durch die Hartherzigkeit eures Volkes veranlasst sind.
D 56,1 Gott war es, der bei der Eiche vom Mambre dem Abraham erschien in Begleitung der beiden Engel, die mit ihm zum Strafgerichte Sodomas ausgeschickt wurden von dem anderen Gotte, welcher stets über den Himmeln bleibt, welcher nie jemandem erschien und nie in eigener Person mit jemandem verkehrte, und in welchem wir den Weltschöpfer und Vater erkennen.
D 92,3f Denn an nichts anderem werdet ihr, wie gesagt, erkannt als an der fleischlichen Beschneidung. Auch Abraham war ja, wie Gott bezeugte, nicht wegen der Beschneidung, sondern wegen seines Glaubens gerecht; denn noch vor seiner Beschneidung ist über ihn gesagt: >Es glaubte aber Abraham an Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.< Wir nun, die wir in der Vorhaut des Fleisches durch Christus an Gott glauben und eine Beschneidung haben, welche uns, ihren Besitzern, von Nutzen ist, nämlich die Beschneidung des Herzens, wir hoffen vor Gott gerecht und wohlgefällig zu erscheinen. D 119,6 Gleichwie nämlich Abraham dem Worte Gottes >glaubte und es ihm zur Gerechtigkeit angerechnet< wurde, ebenso glauben auch wir dem Worte Gottes, das uns von neuem durch die Apostel Christi verkündet wurde und durch die Propheten gepredigt worden war, und haben todesmutig auf alles, was die Welt bietet, verzichtet. Das Volk also, welches Gott dem Abraham verheißt, glaubt gleich Abraham, fürchtet Gott, ist gerecht und erfreut den Vater. Da euch jedoch der Glaube fehlt, so seid ihr nicht jenes Volk.
D 120,2 ...dass einige eures Geschlechtes als Kinder Abrahams werden anerkannt werden, weil sie Anteil an Christus haben...
D 127,4 Also weder Abraham, noch Isaak, noch Jakob, noch sonst jemand sah den Vater und unnennbaren Herrn aller überhaupt und auch Christi. Sie sahen vielmehr den, der durch den Willen des Vaters Gott war, seinen Sohn, den, der Engel war, da er dem Willen des Vaters diente...
D 128, (Hier bekämpft Justin die Anschauung, dass die Kraft, die u.a. 2-4 Abraham erschienen ist, sich wieder in Gott auflöse, dass der Logos also keine bleibende Selbständigkeit besitzt.)
D 140,2 Ausserdem verführen sie sich und euch mit der Idee, dass auf jeden Fall denen, welche dem Fleische nach von Abraham abstammen, das ewige Reich werde gegeben werden selbst dann, wenn sie ungläubige und gegen Gott ungehorsame Sünder sind.

Abraham im Johannesevangelium

8,31 Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knechte gewesen.
8,41 Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater, Gott.

8,34 Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.

8,37 Ich weiß wohl, dass ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum.

8,39 Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke.

8,40 Nun aber sucht ihr mich zu töten...Das hat Abraham nicht getan.

8,41 Ihr tut eures Vaters Werke.

8,44 Ihr habt den Teufel zum Vater.

8,45 Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubt ihr mir nicht.

8,46 Warum glaubt ihr mir nicht?

8,47 ...denn ihr seid nicht von Gott.

8,56 Abraham, euer Vater, ward froh, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich.

8,57 Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen (vl Abraham hat dich gesehen)? 8,58 Jesus sprach zu ihnen: Ehe denn Abraham ward, bin ich.

7,22f Mose hat euch doch gegeben die Beschneidung - nicht dass sie von Mose kommt, sondern von den Vätern , und ihr beschneidet den Menschen auch am Sabbat. Wenn nun ein Mensch die Beschneidung empfängt am Sabbat, damit nicht das Gesetz des Mose gebrochen werde, zürnt ihr dann über mich, dass ich den ganzen Menschen habe am Sabbat gesund gemacht?

Auswertung 2

Bei Johannes und Justin berufen sich die Juden auf ihre Abrahamskindschaft. Während jedoch Justin gegen die Abrahamskindschaft, die durch die Beschneidung erkennbar sein soll, polemisiert und auf den Glauben des unbeschnittenen Abraham weist, durch den er gerecht geworden ist, wird die Beschneidung in Joh 8 überhaupt nicht erwähnt. Johannes kennt das Problem der Beschneidung am Sabbat (7,23). In seinem Evangelium spielt jedoch das grundsätzlich für Heiden bestehende Problem der Beschneidung ­anders als für Justin - keine Rolle. Nach Johannes und Justin erweist man sich als Kind Abrahams, wenn man glaubt, Jesus glaubt, der die Wahrheit verkündet.

Hinter der Aussage von Joh 8,56-58 steht wahrscheinlich die Auffassung, die wir aus Justin viel ausführlicher kennen: dass es der Logos war, der Abraham besucht und ihm einen Sohn verheißen hat. Die Aussage Jesu - >Ehe denn Abraham ward, bin ich< - kann man also so präzisieren: Ehe denn Abraham ward, bin ich: der Logos. Nach der Verheißung eines Sohnes für Abraham durch den Logos heißt es: >Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte (Gen 17,17 = Joh 8,56: >ward froh<). >Und Abraham nannte seinen Sohn, der ihm geboren war, Isaak< (das Lachen, Gen 21,3 = Joh 8,56; >und freute sich<). Justin, für dessen Argumentation Joh 8 sehr wichtig gewesen sein dürfte, wenn er das Johannesevangelium gekannt hätte, zitiert weder dieses Kapitel noch finden wir eine Anspielung darauf. Bei Justin und Johannes finden wir dasselbe Abrahams-Thema, die gleiche Tradition, aber eine voneinander unabhängige Behandlung des Themas und der Tradition. Jeder von beiden hilft uns aber zum besseren Verständnis des anderen. Die Gemeindesituation scheint allerdings bei Johannes viel gespannter zu sein als bei Justin. Während bei Johannes gesagt wird, dass die Gesprächspartner Jesu nicht von Abraham, sondern von ihrem Vater, dem Diabolos, abstammen, weil sie einen Menschen töten wollen, der die Wahrheit sagt, sichert die Abstammung von Abraham den Gesprächspartnern Justins >ein bescheidenes Plätzchen<.