9. Vorwürfe gegen die joh. Gemeinde

Aus den Vorwürfen gegen die Gemeinde kann man einiges über die Herkunft derer, die vorwerfen, sagen. Wenn man die Vorwürfe, die Juden den Christen der joh. Gemeinde machen, erheben will, müssen die Vorwürfe, die schon im traditionellen Material enthalten sind, beiseite gelassen werden. Der Hauptvorwurf richtet sich gegen die joh. Lehre, dass Jesus mit dem Vater eins ist, dass Jesus mit dem Logos bzw. der Memra identifiziert wird.27 Diese Vorwürfe führen zu neuen joh. Definitionsversuchen, wie sie in Joh 12,44; 14,28 zu finden sind. Die jüdischen Gegner meinen, dass der Jesus, von dem man Vater und Mutter kennt, dessen Herkunft aus Nazaret, aus Galiläa, der jüdischen Gemeinde, mit der die joh. Gemeinde in einem Ort lebt, bekannt ist, nicht der sein kann, der vom Himmel kommt. Der Jesus, der nicht >ewig bleibt<, sondern schmählich am Kreuz stirbt, kann nicht der Messias sein. Der Jesus, der den Sabbat bricht (Joh  9,16), kann nicht von Gott sein, sondern ist ein Sünder und hat den Teufel.28 Ein eigener Jünger hat ihn sogar verraten - der Messias hätte einen Verräter vorher durchschauen müssen. Jesus wäre in den Augen der jüdischen Gegner nur dann der Messias, wenn er als David-Spross aus Bethlehem kommen würde und ewig bleiben würde.29 Die Erwartung der jüdischen Gemeinde, in der auch die joh. Gemeinde wohnt, fordert übrigens nicht die Geburt des Messias aus einer Jungfrau - ein Hinweis auf eine aramäisch sprechende Gemeinde.