5. Unabhängige Paralleltraditionen zum Johannesevangelium

Justin, der das Johannesevangelium mit größter Wahrscheinlichkeit nicht gekannt hat,13 hat doch einige interessante Traditionen mit diesem Evangelium gemeinsam. Das ist für die Lokalisierungsfrage wichtig, wenn man berücksichtigt, dass Justin als Sohn griechischer Eltern in Flavia Neapolis, dem heutigen Nablus in Samarien geboren ist. Justin kennt den Synagogenbann14 und berichtet uns mehr davon, als wir aus dem Johannesevangelium wissen. Dieser Bann konnte aber nur dort voll durchgeführt werden, wo es die politische Situation erlaubte.15 Bei Justin finden wir eine Menge Paralleltraditionen zum Johannesevangelium im Zusammenhang mit dem Pentateuch16 und zu anderen Abschnitten aus dem AT17. Folgende scheinen mir am wichtigsten: die Logoslehre, Abrahamstraditionen, das Verständnis des Jakobssegens für Juda, Jesus als wasserspendender Stein und als Passalamm, das Verhältnis von Mose zu Christus, das neue Gesetz, die Apologie des Gekreuzigten, der Bezug auf Num 24,17, die Auslegung von Jes 53, die Menschensohn-Christologie und die Auslegungen der Psalmen 45 und 82.

Der Barnabasbrief, von dem R. Schnackenburg richtig sagt, dass Thematik und Geisteshaltung dieses Schreibens kaum etwas mit dem Johannesevangelium gemeinsam haben,18 hat einige interessante Parallelen zum 4. Evangelium und z.T. auch zu Justin. Im Brief sind alttestamentliche Zitate enthalten, die Johannes im 4. Synoptiker gefunden hat19 oder die nun inmitten typisch johanneischer Reden stehen.20 Leider ist die Heimat des Barnabasbriefes nicht festzulegen. Ich habe die Parallelen jedoch angeführt wegen der Nähe des Briefes zu Justin.