3. Targum und Johannesevangelium

In einem Artikel mit dieser Überschrift
http://www.evangelium-johannes.de/je7/de/node/204
habe ich gezeigt, in welch starkem Maße der 4. Evangelist von Ansichten, die sich im Targum niedergeschlagen haben, beeinflusst ist.6 Wesentliche Parallelen zum messianischen Verständnis von Tg Gen 49,8-12; Jes 11,1ff; 28,16; 42,1ff, 52,13-53,12 und Ps 45 finden sich im Johannesevangelium. Durch das Sprechen von Memra und Schechina und andere Auslegungen hat der Tg der Theologie des Johannes den Weg bereitet: Christus ist als Wort Gottes der Schöpfer. Er ist dem Abraham begegnet. Er führt die Kinder Israels aus Ägypten, gibt Wasser und Manna. Jesaja sieht Christus bei seiner Berufung u.a.m. Eine Reihe joh. Vorzugswörter müssen vom Tg her verstanden werden.7 Erstaunlich ist, dass sich dieser Tg-Hintergrund bei Johannes kaum in Abschnitten aus der Tradition zeigt, sondern fast ein joh. Specificum ist. Das bedeutet: Der 4. Evangelist ist bis zum Synagogenausschluss von Christen in der aramäisch sprechenden Synagoge zu Hause.8 Diese hat wahrscheinlich eine Messianologie im Anschluss an den Tg entwickelt, die Johannes dann mit Jesus von Nazaret in Verbindung gebracht hat. Wo kann solch eine aramäisch sprechende Synagoge abseits vom Hauptstrom neutestamentlicher Überlieferungen liegen?