Des vierten Evangelisten Interpretation von Ps 95

Auch Johannes bezieht - wie Qumran-Leute und Rabbis - Ps 95 auf die Endzeit. Für den Evangelisten ist diese Zeit in Jesus ge­kommen: „Denn ER (nämlich der Messias) ist unser Gott, und wir das Volk seiner Weide” (Ps 95.7a). ER (Jesus) ist der Hirte der Schafe (Joh 10.2). Die Schafe hören seine Stimme (Ps 95.7/Joh 10.3). Alle, die vor diesem Hirten gekommen sind, waren Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört (Joh 10.8). Nach der Auffassung des Johannes war es während der ganzen Zeit seit dem Ungehorsam in der Wüste beim Exodus bis zur Messiaszeit nicht möglich, die Stimme von Ps 95.7 zu hören. Die Exodusgene­ration hatte die Erfahrung des Wirkens Gottes gemacht - „Werke”·, „Brot vom Himmel”·, „Wasser aus dem Felsen”·. Diese Erfahrung kön­nen die Menschen der Jesuszeit erneut machen: Gottes „Werke” vollbringt er, ist selber „Brot vom Himmel· und bietet das „Wasser aus dem Felsen· an, ist auch das „Licht·, das in der Finsternis scheint. Er ist in der Welt und die Welt kann seine Stimme hören. Aber die Reaktion auf Gottes Handeln in der Exoduszeit wiederholt sich in der Messiaszeit: Einige glaubten nicht seinen Werken, glaubten nicht an ihn, den der Vater gesandt hat, sondern „murrten” (6.41), einige wollten ihn gefangennehmen (7.44) einige wollten ihn sogar steinigen (8.59) und konnten sein Wort nicht hören (8.43).

Ich gehe nun nach diesen einführenden Beobachtungen die einzelnen Kapitel des Johannesevangeliums entlang und zeige Worte auf, die man wahrscheinlich oder möglicherweise auf dem Hintergrund des 95. Psalmes sehen kann.

Joh 1-3
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf (1.11), einige nahmen sein Zeugnis nicht an (3.11). Alle diese negati­ven Reaktionen auf Gottes Handeln in Christus bedeuten Todesgefahr wie damals, als die Schlangen in der Wüste töteten, aber Gott will das Leben der Menschen durch den Sohn, der am Kreuz erhöht wird. Noch einmal können Menschen sehen und glauben und leben (3.16) wie in der Mosezeit. Jetzt ist also die Zeit des Gerichtes, der Krisis, aber sie ist nur für die gefährlich, die die Finsternis mehr als das Licht lieben, auf ihre eigenen bösen Werke bauen (3.18-9). Für die Glaubenden bedeutet die Erhöhung Jesu am Kreuz Leben. In der Zeit zwischen Exodus und Messiaszeit konnte man die Stimme von Ps 95.7 nicht hören. Gott gibt ja den Geist nicht nach dem Maß (3.34). Aber jetzt gibt es die Möglichkeit, zu glauben und ewiges Leben zu haben. Jedoch: Wer nicht an den Sohn glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der „Zorn” Gottes (Ps 95.11) bleibt über ihm (3.36).

Joh 4
Für die Samaritanerin wiederholt sich die Exoduszeit, als ihr le­bendiges Wasser angeboten wird (4.10). Die Stunde kommt ja - und sie ist „jetzt” wenn die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten (4.23). Jesus ist der “Ego Eimi”, die Heute­Stimme. Er muss das „Werk Gottes” vollenden (Ps 95.9/ Joh 4.34). Gott hatte in der Exoduszeit gesät, Jesus erntet nun, beide freuen sich gemeinsam (4.36). Samaritaner erkennen Jesus als Heiland der Welt (!) an. Das Exodusereignis ist nicht länger ein Ereignis nur für Israel, sondern bedeutet Leben oder Gericht für die ganze Welt.
Joh 5
Nach Joh 5 wiederholt sich das durch den Vater in Gang gesetzte Exodusereignis auf höherer Ebene (5.16, 18, 19) durch Jesus: „jeder” - in der ganzen Welt! - „der mein Wort hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt (Ps 95.7), dass die Toten hören werden die Stim­me (Ps 95.7) des Sohnes Gottes, und die sie hören werden, die wer­den leben (Ps 95.11).·Mit diesen Worten überbrückt Jesus die Zeit zwischen den Men­schen vom Exodus bis zur Zeit des Messias, indem er alle, die ge­storben sind, in Gottes Ruhe hineinruft, sie anruft - und diejenigen, die hören, die werden leben. In Joh 5.26 wird die Stimme von Ps 95.7 mit der Gestalt des Menschensohnes von Dan 7.13 zusammen­gebracht. Jesus als Gottes verheißene Stimme von Ps 95.7 muss die Werke des Auszugs vollbringen (5.36), aber einige von seinen Zuhörern haben sein Wort nicht in sich wohnen (5.38) und wiederholen so die Ereignisse von Massa und Meriba. Als Mose von dem Pro­pheten schrieb, der kommen sollte (Deut 18.15ff), da hat er von Je­sus geschrieben. Den Worten des Mose sollte man glauben (5.47). Die Stimme von Ps 95.7 und die Stimme des Propheten von Deut 18.15ff sind identisch. Genauso, wie die Menschen vom Auszug die Werke Gottes sehen konnten, können auch die Menschen der Jesuszeit Gottes Werke se­hen und die Zeichen, von Jesus vollbracht, aber viele sind nur an materiellem Brot interessiert und nicht an Himmelsbrot. Sie „mur­ren” genauso, wie ihre Vorväter in der Wüste murrten und verachten so Gottes Brot, Jesus Christus, das Leben nicht nur dem jüdischen Volk des neuen Exodus gibt, sondern der ganzen Welt (6.26, 29, 31-3, 36-7; 41, 45, 48). Die Vorväter in der Wüste aßen Manna und starben (Ps 95.11), während das Ziel des Gottesbrotes Leben ist (Joh 6.50). Aber Me-riba (von der hebraeischen Wurzel rib = strei­ten) ereignet sich ein zweites Mal. Das griechische Äquivalent für rib ist emachonto . „Da stritten die Juden untereinander”...· (Joh 6.52). Und Jesus betont, dass das Leben - das von Ps 95.11 - nur erreicht werden kann durch das Essen des Fleisches des Menschen­sohnes und durch das Trinken seines Blutes. Die „Stimme” von Ps 95.7 wird also durch Johannes interpretiert als das Wort Jesu und die Tat Jesu beim Abendmahl und am Kreuz (6.53, 56, 58). Die Reaktion von einigen der Zuhörer Jesu - unter ihnen sogar Jünger - erinnert erneut an Ps 95: an das Verhärten der Herzen (Ps 95.8). Diese Zuhörer sprechen von Jesu Worten als „harten" Worten und stolpern so über das Skandalon, den Messias (Jes 8.14), an den sie doch glauben sollten, um Leben zu haben (Jes 28.16/Joh 6.60-1, 64). Aber als Repräsentant einiger Zuhörer spricht Petrus seine be­rühmten Worte (6.68) und zeigt so, dass es einige gibt, die auf die verheißene Stimme von Ps 95.7 gehört haben und ihren Weg zum Leben gefunden haben. Damit wird der alte Exodus zu dem Ende gebracht, das Gott beabsichtigte, als er sein Volk aus dem Sklaven­haus führte.
Joh 7
In Joh 7 findet man einige Elemente, die auf dem Hintergrund von Ps 95 gesehen werden können: Joh 7.3, 4, 12, 16, 31. Die wich­tigsten Aussagen jedoch sind jene, wo Jesus in Parallele zu Mose in Exod 17.1ff gesehen wird: Joh 7.37ff. Die Menschen des ersten Exodus hätten Mose beinahe gesteinigt (Exod 17.4), wie auch eini­ge von Jesu Zuhörern beginnen, ihn zu steinigen (8.59). Die Israeli­ten des ersten Exodus erhielten durch Mose Wasser aus dem Felsen, weil Gott zu Mose gesagt hatte: „Siehe, ich will vor dir stehen auf dem Fels am Horeb. Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen, dass das Volk trinke." In Joh 7.37 ist es Jesus als Vertreter Gottes, der da „steht” und die Menschen einlädt, Was­ser zu trinken, das er gibt „am letzten Tag des Festes, der der höchste war”·. Die Möglichkeit der Exoduszeit, Gottes Werk zu be­achten, ist in der Jesuszeit erneut da. Die Verheißung von Ps 95.7 ist in Jesus erfüllt und nun gibt es eine Entscheidung - oder, wie Johannes es verschiedene Male formuliert - „Es entstand seinetwegen ein schisma im Volk” (7.43). Einige beschreiben Jesus als die verheißene Stimme aus Ps 95.7 - „Noch nie hat ein Mensch so ge­redet wie dieser" (7.46). Andere bestreiten, dass Jesus der verheiße­ne Prophet wie Mose ist (7.53).

Joh 8
Johannes benutzt in seinem Evangelium nie das Wort „Ruhe” aus Ps 95.11. Er gibt anderen Worten den Vorzug, die dasselbe meinen. Er sagt „Leben·, „zum Vater kommen”·, zu den „Wohnungen” oder - wie in 8.12 - „das Licht des Lebens haben”. Aber jeder, der Jesus nicht nachfolgt, wandelt in der Finsternis (8.12) wird in seinen Sün­den sterben (8.21, 24), wird in der Knechtschaft bleiben (8.33), weil er nicht auf die Stimme von Ps 95.7 hört, sondern auf die Stimme des Teufels als des Vaters - wie auch Kain auf den Teufel hörte und seinen Bruder (mit einem Stein) tötete. So suchten ja auch die Nachfolger des Kain, Mose zu steinigen (Exod 17.4) und so versu­chen einige der Zuhörer Jesu, ihn zu steinigen (Joh 8.59). Jesus identifiziert sich in 8.25 mit der Stimme von Ps 95.7, wenn Zuhörer ihn fragen: „Wer bist du?" Er antwortet ihnen dann: ten archen ho ti kai lalo hymin ? Die Übersetzung dieses Ausdruckes ist unklar. Das zeigen die Kommentare. Vielleicht bedeutet es „Als erstes, ich bin die Stimme (Ps 95.7), die zu euch spricht”·. Das würde mit den fol­genden Worten zusammenstimmen:“...der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt.” (8.26, 30, 40, 47). Die Verheißung des Lebens gemäß Ps 95.11 wird in 8.51 wiederholt.

Joh 9
Die „Werke Gottes” in 9.3-4 erinnern an Ps 95.9 und diese Werke können nur solange getan werden, wie es Tag - „heute” ist. Das „Heute”·des Tages findet sein Ende in der Nacht, „da niemand wir­ken kann” (9.4). Jesus ist das „Licht der Welt· (9.5). In 9.16 wird wieder auf das schisma hingewiesen, das Werke, Zeichen und Wunder herbeiführen: Entweder wird Jesus betrachtet als „Prophet” (9.17), „Messias”·(9.22), als „von Gott” (9.33), „Menschensohn”·, als Stimme aus Ps 95.7 sprechend (9.37, 35-8) oder: Er ist ein Sünder (9.24). Das „Heute” von Ps 95.7 bewirkt schisma und Gericht. Das Gegenteil von „Ruhe” und der johanneischen Synonyme lautet dann: „Eure Sünde bleibt”.

Joh 10
In Joh 10 findet man überall Anklänge an Ps 95. Das „Denn er ist Gott, und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand” (Ps 95.7) lautet in johanneischer Sprache: „Ich bin der gute Hirte. (Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe)” (10.11; cf. 10.14). Das „Heute, so ihr meine Stimme hört” (Ps 95.7) findet man in 10.3, 4-5, 27. Sie „sahen meine Werke· (Ps 95.9) lautet in johanneischer Sprechweise: „Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir” (10.25). „Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubt mir nicht; tue ich sie aber, so glaubt doch den Werken, wenn ihr mir nicht glauben wollt...” (10.37-8). Es gibt einige, die den Werken glauben (10.41-2). Das schisma, das die Stimme von Ps 95.7 bewirkt, wird in 10.19ff genannt. Die Verheißung der „Ruhe” von Ps 95.11 wird johanneisch formuliert in 10.9, 16, 28. Das Ereignis von Massa hat seine Parallele in 10.31: Einige Zuhörer Jesu „hoben abermals Steine auf, um ihn zu steinigen”·. Das Umsetzen von Ps 95 in der Messiaszeit findet nach dem Johannesevangelium an den Zentren des jüdischen Lebens statt: in Kapernaum (6.59), während des Laubhüttenfestes in Jerusalem (7.10) und während des Tempel­weihefestes, in der Halle Salomos 10,22-3 und dann im Zentrum römischer Macht in Jerusalem vor Pilatus. Für Johannes ist die Umsetzung von Ps 95 in der Messiaszeit ein weltweites Ereignis: „Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden” (10.16). Für das jo­hanneische Verständnis von Ps 95 ist es sehr wichtig, dass die Stim­me auf die ganze Welt zielt und dass Jesus frei und offen vor aller Welt geredet hat, in der Syngoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen. Im Verborgenen hat er nichts geredet (18.20).

Joh 11
Johannes hat über die Jesuszeit nachgedacht. Das Leben des Messias besteht aus Tagen - dem ersten (1.35), dem folgenden Tag (1.43), dem dritten Tag (2.1), aber dieses besondere Leben Jesu kann auch als ein Tag gesehen werden, als das „Heute” von Ps 95.7 mit seinen Stunden. Jesus wirkt die zwölf Stunden des Tages (11.9). Dieser Tag endet mit der Nacht (13.30). Aber Jesus selbst ist Herr seiner Zeit. Martha, die etwas weiß von dem „Heute” (11.22), erfährt ewiges Leben im Glauben an Jesus (11.25ff) und gelangt so in die verheißene „Ruhe” von Ps 95.11 gemeinsam mit ihrem geliebten Bruder Lazarus, der die laute Stimme von Ps 95.7/Joh 11.43 hört. Von der Teilung der Menschen in zwei Gruppen, wie sie im Johannesevan­gelium oft gezeigt wird, wenn Menschen ein zweites Mal auf die Stimme von Ps 95 hören können, wird in 11.45-6 gesprochen. Von Jesus her gesehen, bedeutet das Nicht-Hören auf diese Stimme den Tod (11.47ff).

Joh 12
In Joh 12 ist die letzte Stunde des Heute-Tages gekommen, als einige Griechen, Symbol für die Menschen der ganzen nichtjüdi­schen Welt, Jesus sehen wollen (12.20-3). Wie ich schon gezeigt habe, zielt diese erneut zu hörende Stimme von Ps 95 nicht mehr nur auf die Juden, sondern auf die ganze Welt. Die Himmelsstimme (12.28), die die Stimme Jesu als die Stimme von Ps 95.7 authori­siert, führt wiederum zu einer Teilung der Menschen. Die Stimme bedeutet Gericht - jetzt (12.31), heute. Für einige ist die Stimme nur Lärm, ein Donnergrollen, für andere ist sie eines Engels Stim­me. Das „Heute” enthält die Möglichkeit des Lichtes, danach folgt Finsternis (12.35-6). Einige „irren in ihrem Herzen” (Ps 95.10), ob­wohl sie Sein Werk sahen (Ps 95.9/Joh 12.37). Die Reaktion der ersten Hörer der Stimme in der Exoduszeit wird teilweise wieder­holt in der Zeit der zweiten Stimmerhebung. Das ist der Grund da­für, dass Jesus einen letzten Versuch macht, seine Zuhörer für den Glauben an Gott, für das Licht, die Rettung und für das Leben zu gewinnen (12.44ff). Nach dem Ende des „Heute” Jesu werden seine Jünger die Stimme repräsentieren, so wie Jesus die Stimme seines Vaters repräsentiert hat.

Joh 13-17
Joh 13-17 zeigt, wie das „Heute” Jesu durch seine Jünger ausgeweitet wird und durch den Parakleten (13.20; 14.12ff; 15.20, 26-7; 16.8, 13; 17.18, 20), während das „Heute” des Judas zu seinem Ende gekommen ist (13.30). Auch andere, die jetzt nicht auf die Stimme gehört haben, haben keine Entschuldigung für ihre Sünde mehr (15.22). Aber jene, die begonnen haben, an Jesus zu glauben, emp­fangen das neue Gebot (13.34) und die Zusage der „Ruhe” von Ps 95.11 - die vielen Wohnungen (14.2),[13] Leben (14.19), Frieden (14.27), das Bleiben zusammen mit dem Vater und dem Sohn (17.24). Aber es bleibt eine große Frage für die Jünger, obwohl die Stimme Jesu an allen wichtigen öffentlichen Plätzen Israels gehört werden konn­te: „Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?” Jesu Antwort betont die individuelle Entscheidung eines jeden Menschen in dieser Welt: „Jeder, der mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.” Diese Antwort erinnert mich an die schon zitierte Talmud-Stelle, dass der Messias „heute” kommt, d.h. „Heute, so ihr meine Stimme hört” (Ps 95.7).
Joh 17 ist teilweise ein Gebet für die, die die Stimme gehört ha­ben, die Werke gesehen haben, an den geglaubt haben, den der Va­ter gesandt hat und die den Sohn verherrlichen (Ps 95.1-2). Es wird im Gebet gezeigt, dass das „Heute” durch die Jünger weitergehen wird (17.18), die sowohl Hass erfahren werden wie ihr Meister, aber auch Freude, Einheit und Liebe.

Joh 18-21
Die Passions- und Auferstehungsgeschichten enthalten einige wichtige johanneische Worte, die man auf dem Hintergrund von Ps 95 sehen kann: 18.20 spricht davon, dass Jesus „frei und offen vor aller Welt geredet hat...in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen”·. Die Stimme von Ps 95, die früher nur auf Juden ausgerichtet war, wendet sich nun an alle Juden und an die Welt, ist also ein weltweites Ereignis. Das wird noch einmal vor Pilatus unterstrichen (18.37), wenn Jesus sein Reich proklamiert, in das jedermann gerufen wird, der „aus der Wahrheit ist und höret meine Stimme”·. Das „Heute” Jesu kommt dann in 19.28-0 zur
Vollendung. Die Zeit des Geistes (19.30) und der verkündigenden Ge­meinde (19.35; 20.21; 21.15) beginnt. 20.30-1 spielt auf die verheiße­ne „Ruhe” an. Als Synonym wird dafür „Leben” benutzt. 20.30-1 zeigt, dass das „Heute” von Ps 95 auch durch das Vierte Evangelium weitergeht.