Psalm 95 in Qumran

Auch wenn Ps 95 in den Qumranschriften nie zitiert wird, so ist er doch mit seinen Parallelen (Ex 17,1ff; Deut 9,22-4; 29,18 und 33,8-11) für die Sektenmitglieder in der Wüste sehr wichtig.

CD 1.1 beginnt mit der Ermahnung der Mitglieder, auf die „Werke Gottes“ zu achten (Ex 34,10). Denn Gott „streitet“ (hebr. rib) - also wie in „Meriba“ - mit allem Fleisch. Die ersten Bundesangehörigen zur Exoduszeit haben Gottes Werk nicht geachtet (Ps 95,9). Nach einer „Zeit des Zorns“ (CD 1.5/Ps 95,11) eröffnet sich für die Leute in Qumran eine neue Möglichkeit innerhalb der letzten Generation (1.12). Es ist das die allerletzte Möglichkeit, die Gott einräumt. Die Qumran-Leute sollten nun die Werke Gottes sehen und verstehen im Gegensatz zu dem Volk in der Wüste damals (Ps 95,9) und nicht in der Verstocktheit ihres Herzens wandeln (Ps 95,8/CD 2.17-8). CD 3.7 spielt auf Massa an, als die Israeliten der Exoduszeit nicht auf die Stimme ihres Schöpfers hörten (Ps 95,6ff). Aber CD versteht das Ereignis in der Wüste auf die Weise, dass es damals einige gab, die in den Bund eintraten und sich an Gottes Gebote hielten - so wie auch die Bundesgenossen der Endzeit in Qumran sich an Gottes Satzungen halten, um Leben in Gottes neuem Hause zu haben, dem Haus, das auf den Fels gebaut ist (CD 3.16ff vgl Jes 28,16). Die Bedeutung der Ereignisse in Massa und Meriba für die Leute in Qumran in der eschatologischen Zeit kann auch aus 4Qtest erschlossen werden, wo sich eine Anspielung auf Deut 33,8ff findet: Levi war es, der Gottes Wort und den Bund zu Massa bewahrt hat. Levi ist also Vorgänger jener Bundesangehörigen zu Qumran. Und in 4QpPs 37 wird Ps 37,5ff - dass der Gottlose in geringer Zeit nicht mehr sein wird - in Verbindung gebracht mit den 40 Jahren in der Wüste. Die Deutung von Ps 37,10 - „aber er ist nicht mehr“ „bezieht sich auf alle Gottlosigkeit am Ende der vierzig Jahre (vgl Ps 95,10), da sie vertilgt sind und nicht mehr gefunden wird im Lande ein Mann der Gottlosigkeit.· Den „Umkehrenden der Wüste, die leben werden tausend Geschlechter in Israel·, „wird das ganze Erbteil des Menschen gehören und ihrem Samen in Ewigkeit.“ (3.1)

Ergebnis: Die Bundesangehörigen von Qumran erfüllen die Erwartungen von Ps 95, indem sie auf Gottes Stimme hören, auf seine Werke achten und seinen Bund bewahren. Das führt zum Ende von Gottlosigkeit auf Erden. Gottes Lob wird in der Wüste gesungen, denn er ist der Fels der Gemeinde (Ps 95,1). Die verheißene Ruhe (Ps 95,11) ist also in Sicht.