Anmerkungen

1 Vorbemerkung: Meine "Studien zum alttestamentlichen Hintergrund des JohEvs" und alle veröffentlichten und unveröffentlichten Aufsätze im Zusammenhang mit dem JohEv sind jetzt zusammengefasst im Buch "JOCHANAN Erweiterte Studien zum alttestamentlichen Hintergrund des Johannesevangeliums" Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen 1995.

2 Zur wichtigen Behandlung von Ps 45 durch Justin vgl. G. Reim, Paralleltraditionen zum Johannesevangelium bei Justin, in: JOCHANAN (s. Anm. 1) 487-534

3 JOCHANAN (s. Anm. 1) 382-385.

4 Man kann fragen, ob die Bezeichnung des Hohenpriesters in Joh 11,49 als "Hoherpriester dieses Jahres" zeitlich zu verstehen ist, was bekanntlich zu großen Schwierigkeiten führt, oder ob man sie im Anschluss an Hebr 10,3 (vgl. Lev 16,34) nicht lieber funktional verrstehen sollte: Kaiphas war der, der das Alljährliche zu vollziehen hatte.

5 Die LXX-Codices B, (hebr.)alef und A lesen (griech.) soma/Leib, Körper statt (griech.)otia/Ohren

6 Vgl. die Kommentare zu Hebr 10,5, besonders E. Graesser,An die Hebräer. 2. Teilband (EKK XVII/2). Zürich/ Neukirchen-Vluyn 1993, 216.

7 Sehr nahe an der Sache ist J. Blank: das evangelium nach johannes Patmos Verlag Duesseldorf 1981 4/1a S.216f in seiner Meditation zu Joh 2,18ff, wenn er schreibt: "Nicht so sehr die Pharisäer und ihre Torafrömmigkeit sind nach der johanneischen Darstellung die eigentlichen Gegner Jesu, sondern der Tempel mit seinem Opferkult und seinem ritualistischen Heilsverständnis....Gegenüber einer Tendenz, aus Jesus einen Vertreter jüdisch-observanter Kultfrömmigkeit im damaligen Sinn machen zu wollen, kommt diejenige Auffasssung der Wahrheit näher, die in ihm den damals bedeutendsten Erben und Vertreter der prophetischen Kultkritik sieht....In der urchristlichen Tradition ist es nicht nur das JohEv, das Jesus in dieser kultkritischen Linie sieht, sondern vor allem der Hebr, der an bedeutsamer Stelle die Kultkritik wörtlich aufgreift und sie auf Jesus bezieht, indem er die Zusammenfassung seiner Ausführungen über Jesus als endzeitliches Opfer und Hoherpriester zugleich mit dem Zitat von Ps 40,7-9 abschließt (Hebr 10,5-10)."

8 Joh hat bei dieser Schriftrolle wahrscheinlich besonders an Jes 6 gedacht, aber das bedarf einer gesonderten, eigenständigen Darlegung.

9 R. Schnackenburg, Das Johannesevangelium I (HThK IV/1), Freiburg i.Br. 41979, 480, schreibt zu Joh 4,34.“Theologisch ist die Nähe zu Hebr 10,5-9 beachtlich; hier wird die Ganzhingabe Christi (im Kreuzesopfer) mit Ps 40,7-9 begründet, aber seine Bereitschaft, den Willen Gottes zu tun, spricht Christus schon bei seinem Eintritt in die Welt aus (V 5).“

10 Nestle-Aland26 verzeichnet beim JohEv 21 Querverweise zum Hebr; O. Michel, Hebr (KEK), verweist auf nahezu 100 joh Stellen; R. Schnackenburg, Joh (HThK), führt etwa 35 Stellen aus dem Hebr an, und J. Becker,Joh (ÖTBK), hat deren ca. 27. Hinzu kommen viele Einzelbeobachtungen einzelner Forscher.

11 O. Cullmann Der Johanneische Kreis. Sein Platz im Spätjudentum, in der Jüngerschaft Jesu und im Urchristentum. Zum Ursprung des Johannesevangeliums,Tübingen 1975, "Mit größter Wahrscheinlichkeit ist die Zugehörigkeit des Hebr.briefes zur joh. Gruppe anzunehmen." (C. weist besonders auf die kritische Einstellung zum Tempel und auf die christologischen Auffassungen hin); C. Spicq L· Épitre aux Hébreux, Paris 1952, 109f (die theologische Ausarbeitung des Hebr steht in direkter Abhängigkeit zur joh Katechese).

12 Hebr 2,3 mit dem Hinweis auf die erste Generation von Christen, die der Gemeinde des Hebr verkündigt haben, zeigt, dass Hebr vor dem JohEv mit seiner Gemeinde der dritten Generation anzusetzen ist.

13 Im Hebr scheinen Ausschluss aus der Synagoge und Getötetwerden - vgl Hebr 10,23-25; 12,4 mit Joh 16,2-5 - noch etwas weiter entfernt als bei Joh, wenn auch schon in Reichweite. Einen so großen Abstand zwischen Hebr und Joh - 20-30 Jahre - anzusetzen, wie B. Lindars, Behind the Fourth Gospel London 1971,121 tut, scheint mir nicht zutreffend zu sein. Ich denke nur an wenige Jahre. Die Naherwartung des Hebr ist jedoch bei Joh abgeklungen und neuen Erwartungen unter der Führung des Geistes, der einen kosmischen Gerichtsprozess führt, gewichen.

14 Mir liegen seine Aussagen von 1938, in der Bücherei des Schocken Verlages erschienen, nur im Englischen vor: L. Baeck, The Gospel as a Document of the History of the Jewish Faith, Philadelphia 1964

15 Ebd. 80ff

16 S. dazu meinen Aufsatz: Joh 8,44- Gotteskinder – Teufelskinder, in: JOCHANAN (s. Anm. 1) 352-359
http://www.evangelium-johannes.de/je7/de/node/205

[GR1] = Kleine Kommentare und Übersetzung des griechischen Textes von Ps 39/(hebräisch Ps 40) aus der Septuaginta (griechische Übersetzung des Alten Testamentes) für Laien:

[GR1] Dieser Aufsatz ist erschienen in der Biblischen Zeitschrift Neue Folge, 2000 Heft 1, S. 92-99. Der auf der Website wiedergegebene Aufsatz unterscheidet sich in zwei Punkten: a) griech. Texte werden in Umschrift und Übersetzung gebracht. b)  Im Haupttext – nicht in den Anmerkungen – habe ich für Laien kleine Kommentare eingefügt.

[GR2] Etwas Grundsätzliches für Laien: Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit der Untersuchung des gesamten alttestamentlichen Hintergrundes, von dem aus Johannes sein Evangelium geschrieben hat. Vieles davon habe ich im Buche JOCHANAN (s. homepage) dargestellt. Dieser Artikel jedoch ist später entstanden. Johannes hat manches aus den Psalmen benutzt. Die drei Psalmen 40 ; 45 und 95 hat er jedoch mit dem Hebräerbrief gemeinsam. Es sind für die Erwartung des Christus besonders wichtige Psalmen. Ihre Benutzung erlaubt uns einen Einblick in die Gemeinden des Johannes und des Hebräerbriefes und in ihre Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Judentum. Besonders aber wird sichtbar, wie man in diesen Gemeinden Christus auf dem Hintergrund von Psalmen dargestellt hat und wie man den eigenen, von der Synagoge unabhängigen Gottesdienst weiterentwickelt hat.

[GR3] Als man das alte Hebräisch im jüdischen Gottesdienst nicht mehr verstand, mussten die Abschnitte der Bibel in die Umgangssprache übersetzt werden. Diese Übersetzung nennt man Targum (Tg). Sie ist z. T. auch Erklärung, wie man den Bibeltext etwa zur Zeit Jesu verstand.

[GR4] Das ist die Übersetzung des AT in die Weltsprache z.Zt. Jesu, Griechisch.

[GR5] Bedeutende Rabbis haben verschiedene Auslegungen zu Bibeltexten gegeben.

[GR6] Zierschwerter in grosser Kostbarkeit tragen heute noch arabische Männer als Statussymbol – nicht zum Kämpfen!

[GR7] = Gott. Das Wort ist im Hebräischen eine Pluralform.

[GR8] Deswegen, hineinkommend in die Welt, spricht er:

[GR9] Opfer und Opfergabe hast du nicht gewollt,

[GR10] einen Leib hast du mir (schöpferisch) bereitet (eigentlich: gegraben, geschnitten.)

[GR11] Brandopfer und solche um der Sünden willen gefallen dir nicht.

[GR12] Da sprach ich: Siehe, ich komme, im Haupt des Buches (d.h. wohl: in der Schriftrolle) ist von mir geschrieben.

[GR13] Dass ich, o Gott, deinen Willen tue.

[GR14] Opfer und Opfergabe hast du nicht gewollt,

[GR15] Ohren aber hast du mir schöpferisch bereitet (wörtlich: gegraben, geschnitten)

[GR16] Brandopfer und solche um der Sünden hast du nicht gefordert.

[GR17] Da sprach ich: Siehe, ich komme,

[GR18] im Haupt des Buches (d.h. wohl: in der Schriftrolle) ist von mir geschrieben.

[GR19] Um deinen Willen, o mein Gott, zu tun...

[GR20] Dieses Wort für die Volksversammlung wird später als Bezeichnung für die Kirche benutzt.

[GR21] Versammlung. Dieses Wort wird bei uns gewöhnlich für die jüdische Gottesdienstgemeinde bzw. ihr Haus benutzt.

[GR22] Aber, dagegen

[GR23] Leib, Körper

[GR24] Denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen. Denn nicht von mir aus bin ich gekommen, sondern Jener hat mich gesandt.

[GR25] Ich komme/bin gekommen

[GR26] ich bin ausgegangen, hergekommen

[GR27] ich bin ausgegangen

[GR28] ich bin gekommen

[GR29] hineinkommend in den Kosmos, (in die Welt ohne den Messias)

[GR30] ich komme/bin gekommen

[GR31] hineinkommend

[GR32] hineinkommend

[GR33] die Welt ohne den Messias – und, wenn sie den Messias nicht annimmt: Die Gott und Menschen feindliche Welt.

[GR34] Körper, Leib

[GR35] Er aber sprach über den Tempel, den sein Leib darstellt.

[GR36] Körper, Leib

[GR37] das Fleisch, als Materie

[GR38] es steht (in der Bibel) geschrieben

[GR39] mich betreffend, sich auf mich beziehend

[GR40] es steht geschrieben (im Alten Testament)

[GR41] mich betreffend, sich auf mich beziehend

[GR42] der Wille (Gottes)

[GR43] Die Trennung vom Judentum

[GR44] ...und wenn der Gläubige schließlich aufgefordert wird, aus dem Lager herauszugehen, dann ist die Bedeutung dessen klar.

[GR45] Denselben Ton aus derselben Zeit, den Ton dieses Wunsches nach Trennung, hört man im Johannesevangelium. Nur ist er hier noch unerbittlicher, sogar feindlich...

[GR46] Sie sind so vollkommen abgesondert, dass eine verärgerte Anklage gegen sie lauten kann: „Ihr seid von eurem Vater, dem Teufel, her.“ Da ist nicht länger die Frage des Platzes Jesu innerhalb des jüdischen Volkes oder von etwas Neuem innerhalb des Judentums, wie es in der alten Tradition der (christl.) Gemeinde war, sondern man hat es ausschließlich zu tun mit etwas Neuem, das im Gegensatz zum Judentum steht und man hat zu tun mit der Stellung Jesu in Gegnerschaft zum jüdischen Volk.