Über den Autor Günter Reim, DPhil Oxon

 

Günter ReimIch bin in Schlesien [1] geboren, in Leipzig [2] aufgewachsen. In der Nicolai-Schule in Leipzig erhielt ich meine Oberschulbildung[3] . An der Karl-Marx-Universität Leipzig habe ich ab 1954 knapp 7 Semester studiert, bis ich wegen "subversiver Tätigkeit" in der Leipziger Studentengemeinde (unter Leitung des dann zu fünf Jahren Haft verurteilten Pf. Dr. Schmutzler) 1957 vom Studium mit ca. 20 weiteren Studenten und Studentinnen ausgeschlossen wurde (vgl. die Erweiterung der Anmerkung 3). Nach der Verhaftung unseres Studentenpfarrers bin ich zum Ersten Vertrauensstudenten der Leipziger Studentengemeinde gewählt worden und habe als solcher mit Pf. Dr. Tannert Kontakt aufgenommen, damit er neben seinem Pfarramt die Leipziger Studentengemeinde betreut. Ich habe nach meiner Flucht aus der DDR am 16.7.1958 das Studium in Erlangen wieder aufgenommen und 1959 abgeschlossen. Stark beinflusst haben mich der Leipziger Alttestamentler Albrecht Alt, der Kirchengeschichtler Franz Lau und der Erlanger Systematiker Wilfried Joest und Kurt Frör - praktische Theologie.

Nach dem Studium war ich Vikar in Söcking/Starnberg, dann Pfarrer in der Evang.-Luth. Gemeinde in Oxford, die 1938 von jüdischen Christen, die aus Deutschland geflohen waren, gegründet worden war. In Oxford habe ich ab 1964 unter George D. Kilpatrick eine von R. Bultmanns Johanneskommentar beeinflusste und an ihm Anstoß nehmende Dissertation geschrieben, aus der dann 1974 das Buch "Studien zum alttestamentlichen Hintergrund des Johannesevangeliums" entstanden ist. Ich war in Oxford Mitglied des kongregationalistischen Mansfield Colleges. Nach 6 Jahren Gemeindepfarrer für Oxford [4] - Birmingham [5] - Reading folgte nach einer kurzen Zwischenstation im Pfarramt Obernzenn meine 17-jährige Pfarrerstätigkeit in Erlangen[6] an der Thomaskirche, danach eine 10-jährige Tätigkeit am Herder-Gymnasium in Forchheim [7] /Ofr. Das für Laien gedachte kleine Büchlein „Zugänge zum Evangelium des Johannes“ habe ich 1994 herausgegeben, das Buch "JOCHANAN" 1995. Die Titelbilder auf den Büchern „Zugänge...“ , „Jochanan“ und "Das Wort ward Fleisch. Gesammelte Aufsätze..." stammen von dem Künstler Benedikt Werner Traut[8].  Zu einigen Bildern im Evangelischen Gesangbuch für Bayern habe ich Meditationen geschrieben. Seit 1998 kann ich im Ruhestand einige Arbeiten weiterführen und mich über die 9 Enkelkinder meiner 4 Kinder mit meiner Frau zusammen freuen.

Kontakte erwünscht

Ich freue mich über einen Austausch mit Ihnen in Zuspruch und Widerspruch und im Glauben an den, der den Evangelisten Johannes zu seinem großartigen Werk geführt hat und uns auf den Weg mitnimmt, auf dem Wahrheit und Leben geschenkt werden.

Dr. Günter Reim
Heinrich – Kirchner - Str. 34
D 91056 Erlangen
gwg.reim@t-online.de

http://www.evangelium-johannes.de

Hinweis: Ich bitte um Verständnis und um Nachsicht für nicht adäquates Englisch, Französisch oder Russisch.


[1] In Striegau, einer niederschlesischen Kleinstadt unweit Schweidnitz und Breslau. Wenige km entfernt von der Stadt lag das berüchtigte KZ Gross-Rosen, von dem ich erst als Erwachsener nach der Flucht mehr erfahren habe.

[2] In der Thomaskirche wurde ich konfirmiert. Dort hatte ich mit 10 Jahren meine erste Motette, vom Thomanerchor gesungen, gehört und liebe seitdem die Musik Bachs. Nach einem Jugendgottesdienst in der Thomaskirche habe ich beschlossen, Theologie zu studieren.

[3] Als Kind eines „Bürgerlichen“ 1949 nicht zum Besuch der Oberschule zugelassen, hat es mein Klassenlehrer, der damals der SED beigetreten war, erreicht, dass ich nach persönlicher Prüfung durch den Kreisschulrat doch noch zur Oberschule konnte – meine drei Geschwister nicht!.

Ergänzung 2014: Aus zeitgeschichtlichen Gründen mag es manchen interessieren, dass die Regierung der DDR am 3.5.1957 einen Ermittlungsauftrag zu meiner Person an das Ministerium für Staatssicherheit erteilt hat. Darin heisst es: Folgende Angaben sind zu ermitteln: 1. Genaue Personalien; 2. Politisches und moralisches Verhalten; 3. Einstellung zur demokratischen Entwicklung; 4. Verbindungen nach Westberlin, Westdeutschland und dem Ausland; 5. In welchen Kreisen verkehrt er; 6. Charaktereigenschaften 7. Was ist über seine Eltern bekannt. Zweck der Ermittlung: Genannte Person war mit dem Stud. Pfarrer Schmutzler zu der Evangelisationswoche in Böhlen. (vgl dazu: Schmutzler, G.-S., Gegen den Strom. Erlebtes aus Leipzig unter Hitler und der Stasi, Göttingen 1992.)

Am 6.5.1957 heisst es dann in einem Aktenvermerk: Am heutigen Tag wurden mit dem Gen. Blümel - Abt.5 - folgende Maßnahmen festgelegt, die die Abt.5 beschleunigt durchführen wird:

1. Beschaffung eines Ausspracheprotokolles vom Rat des Bezirkes
2. Klärung, welche negativen Bemerkungen Schmutzler in Westberlin machte (GI - Bericht "Anton")
3. Ermittlung aller namentlich bekannten Studenten, die mit in Böhlen waren einschließlich des Studenten Reim (Randbemerkung: "erl.)
4. Ermittlung des Studenten (Wort geschwärzt) (Charakteristik) (Randbemerkung: "erl.)
5. Bestätigung über das Redeverbot in Böhlen (wurde von Gen. Pommer erl.)
6. Ermittlung (Wort geschwärzt) (Friedensrat) als Zeugen (Randbemerkung: "erl.)
7. Republikfluchtbescheinigung (Name geschwärzt) (Randbemerkung: "erl.)
8. Berichtsüberprüfung "Wucine" - "Günter", um Widersprüche zu beseitigen (Randbemerkung: "erl.)
9. Zeugen für die Hetze am 24.10. 1956 ermitteln (Randbemerkung: "erl.)

Am 9.5. hatte die Abtlg. V / 4 eine Aufstellung über die 16 Studenten (12 aus der theologischen Fakultät, zwei  aus der medizin. Fak., einer aus der Math.nat.chem. Fak. einer aus der vet.mde. Fak.) und 6 Studentinnen (5 aus der theol. Fak., eine aus der phil. Fak.) vorliegen.

Am 11.5. lag der Abt. V /4 (Gen.Kunth) dann der Ermittlungsauftrag über mich vor. Das meiste scheint einer Charakteristik meines Klassenlehrers der Oberschule entnommen worden zu sein, die äußerst positiv ist. Weiter heisst es dann: "In seinem Wohngebiet tritt er in keiner Weise gesellschaftlich in Erscheinung. Er gilt als eifriger Anhänger der Kirche und lehnt jede Mitarbeit ab. Sammlungnen und dgl. unterstützt er nicht. Werden Sammlungen der Kirche durchgeführt, schliesst er sich niemals aus und er soll sogar mit der Büchse sammeln gegangen sein. Er ist, wie bekannt ist, Mitglied der Jungen Gemeinde. ...Seine Einstellung zur Sowjetunion ist nicht bekannt. Der Leumund des Genannten im Wohngebiet ist sehr gut. Er ist sehr freundlich und hilfsbereit. Seine Kleidung ist sauber und ordentlich. Über sein moralisches Verhalten ist nichts Nachteiliges bekannt geworden. ... Wer die näheren Freunde des Genannten sind, kann nicht berichtet werden. Er besucht die Kirche und hat dort seine Bekannten. Seine Eltern sind ebenfalls fleissige Kirchgänger. Verbindungen nach Westdeutschland oder Westberlin sind nicht bekannt. ...

(Die Ermittlungen fanden in dem Zeitraum statt, in dem unser Kommilitone Jentsch verhaftet worden ist und danach für lange Zeit ins Gefängnis kam. Wir haben für ihn im wöchentlichen Fürbittkreis - wie auch für unseren Studentenpfarrer Dr. Siegfried Schmutzler - in der Leipziger Universitätskirche regelmäßig gebetet.)

10. Protokoll der Einwohnerversammlung von Böhlen beiziehen

[4] Die deutsche lutherische Gemeinde wurde 1938 durch Pastor Kramm gegründet. Gottesdienste finden nach der Verlegung aus der Mansfield College Chapel in die Universitätskirche St. Mary the Virgin schon während des 2. Weltkrieges! (das ist Ökumene und Toleranz!) bis heute statt. vergleiche: http://deutscheevangelischegemeindeoxford.blogspot.de/2011/10/25-jahrige...

[5] Die deutsche lutherische Gemeinde wurde für ehemalige deutsche Kriegsgefangene und deutsche Frauen, durch Heirat eines englischen Soldaten dem zerstörten Nachkriegsdeutschland entflohen, 1948 durch Pastor Kurtz aus Berlin gegründet. Die Gottesdienstkirche war die Old Church, Edgbaston. Heute findet man über das internet den neuen Gottesdienstort. (Im internet können Sie nachlesen, wie ich 1966 das Weltmeisterschafts-Fußballspiel Deutschland gegen Spanien (nicht?) miterlebt habe, weil ich Werbung für die kleine Birminghamer Gemeinde machen wollte.)

[6] Fränkische Stadt mit 100 000 Einwohnern, durch die Firma Siemens und die Universität bekannt. Seit kurzem gibt es in Erlangen wieder eine Synagoge.

[7] Das Gymnasium, das ich liebe, stellt sich mit einer eigenen Homepage dar.

[8] Geb. 1934, Mönch aus der Christusbruderschaft Selbitz stammend.

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